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Abteilung studio raumkultur

Das Studio RAUMkultur firmiert auch als radikalRAUMkultur ― es plädiert jenseits von bauwirtschaftlichem Architekturmissbrauch (das Halten von Narren am Hof) und baukulturellem Ablasshandel (das Fördern von Events als Sedativa) für eine „radikale Architektur“ oder für „radikal: Architektur!“.

In diesem Sinn will sie Raumqualität als eine Bedingung für Lebensqualität von Menschen, Tieren und Pflanzen verstehen und schaffen, sei es im Rückbau, im Umbau, im Weiterbau oder im Schaffen von Zwischenraum ― und lediglich auf marginale Weise im Neubau (etwa bei Baulücken in der Stadt), denn dieser muss gestoppt werden. Eine solche „radikale Architektur“, die gemäß dem Wortsinn ihre Wurzeln konsequent kultiviert, sucht ursächlich Qualität im Raumhaltigen und insbesondere im Zwischenräumlichen.

Wenn Architektur sich einerseits selbst finden (dem Raum zuwenden) soll, wäre eine schonungslose historische Selbstreflexion not-wendig (was haben wir alles verbockt?). Andererseits muss Architektur wieder „gefährlich“ werden, wenn sie wieder einen größeren Anteil an Entscheidungen mit beeinflussen und an Geschaffenem mit verantworten will. Sie muss auf beständige Weise kulturell eingeübte politische und wirtschaftliche Routinen hinterfragen, um zu nächsten Entwicklungen zu kommen bzw. diese zu befördern oder diesen beizustehen. Eine in diesem Sinn „radikale Architektur“ wäre dann eben konsequent als „radikal: Architektur!“ zu formulieren.

Das Attribut „radikal“ kann in diesem Kontext sinnstiftender bzw. konstruktiver als vielbemühte Begriffe wie „experimentell“ oder „sozial“ wesentliche Ansprüche einer zeitgemäßen Architektur miteinschließen. Dabei darf, ja muss „radikal“ stets mit „hier“ und „jetzt“ verknüpft sein, denn genau in dieser Verbindung ist Architektur „gefährlich“, so ist sie anwesend. Diese Architektur sucht Qualitäten also im Konkreten, in jedem Winkel des Raumes, in jeder Spanne dazwischen, in jeder Situation eines Alltages, für alles Leben auf dem Planeten. Sie verliert sich eben nicht in formalen Gesten, akademischen Diskursen, weltfremden Spektakeln oder wiederkehrenden Moden.

Dementsprechend üben sich Studierende im Studio RAUMkultur seit 2018 fast ausschließlich als Agens der Bauwende. In der Begleitung unserer Studierenden im konkreten Entwerfen wollen wir ihnen bewusst machen, wie zwingend sie dabei ihre Hausaufgaben inkorporieren müssen (Handwerk erlernen: hand-skizzieren, modell- bauen, räumlich-tun, bücher-lesen). Denn wenn wir sie befähigen, reflektiert, verbindlich und mitfühlend zu agieren, dann steigt die Wahrscheinlichkeit für ihre Resilienz im Umgang mit globalen Krisen und eben auch eigenem „Artenschutz“ ... letzterer sollte darüber hinaus auch als ein „Eigenart-Schutz“ beseelt werden (das ist unsere politische Aufgabe).

Eine solche „radikale Architektur“ wäre damit gegen jeglichen Missbrauch von Politik wie Wirtschaft gewappnet, nicht zuletzt auch deswegen, weil sie sich selbst und ihre Rolle reflektieren gelernt hat. Ihre eigene Resilienz kann dann über das Fachliche hinaus für andere Disziplinen zum Vorbild werden (doch das ist Zukunftsmusik!). Diese Architektur wird wirken wollen, sie will sich der Welt im Sinne einer umsichtigen und mitfühlenden Beziehung zuwenden. Eine solche Architektur wird im sozialen Anspruch und konkreten Forschen mitwirken und bewirken, maßlos Belangloses in angemessen Sinnstiftendes zu wandeln. Sie wird radikal RAUMkultur verfolgen.

Team radikalRAUMkultur alphabetisch:

Forster Antonia · Assistenzprofessur
Gernbeck Marion · Studienassistenz
Kraus Siegfried · Universitätsassistenz
Thompson Natalie · Universitätsassistenz
Zinner Michael · Universitätsprofessur

Wohnraum – Entwurf, Modell und Foto von Siegfried Kraus im Sommersemester 2020, Projekt „umformen“

Leitung

Univ.-Prof. DI PhD. Michael Zinner

Kontakt

Ass.-Prof. MSc. Antonia Forster