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MITTEILUNG

Wie die Habsburger koloniale Weichen stellten

9. Februar 2026 orf.science

Gastbeitrag von Gudrun Rath, Abteilung Kulturwissenschaft.

Österreich gilt immer noch als ein Land, das nur wenig mit Kolonialismus zu tun hat. Dass es aber etwa in Brasilien buchstäblich koloniale Weichen stellte, zeigt ein Projekt am Technischen Museum Wien (TMW): Die K.u.k.-Monarchie war dort am Ausbau der Eisenbahn beteiligt, schreibt die Kulturwissenschaftlerin Gudrun Rath in einem Gastbeitrag.

Wie Akteur*innen der Habsburgermonarchie an kolonialen Praktiken und Projekten auch außerhalb Europas teilhatten, ist ein immer noch zu wenig untersuchtes Thema, das nur langsam mehr Wahrnehmung in der Öffentlichkeit bekommt. Das Projekt Koloniale Infrastrukturen am TMW rückte diese Frage in Bezug auf Infrastrukturprojekte und die damit verbundenen transnationalen Netzwerke in den Fokus. Neben dem Suezkanal in Ägypten untersuchte das Projektteam Eisenbahninfrastrukturen in Indien, Namibia und Brasilien.

Mehr als „Beziehungsgeschichten“

In diesem Fall stellt sich die Frage nach dem „Kolonialen“ auf besondere Weise, denn Brasilien war ab 1822 keine Kolonie Portugals mehr. Doch koloniale Strukturen und Praktiken prägten Brasilien auch über dessen Unabhängigkeit hinaus. In Bezug auf die österreichische Geschichte sind die auf Initiative Metternichs erfolgte Verheiratung von Maria Leopoldine von Österreich an den in Brasilien regierenden portugiesischen Thronfolger Dom Pedro I. und die daraus resultierenden personellen Verbindungen über den Atlantik bedeutsam.

Diese äußerten sich auch in Forschungsexpeditionen, deren prominenteste, die von der Habsburgermonarchie in Auftrag gegebene Brasilien-Expedition (1817-1835), Anlass gab, Unmengen an Tieren, Pflanzen und lokalen kulturellen sowie technischen Objekten nach Wien zu verschiffen. Dahinter standen auch ökonomische Interessen, unter anderem an Rohstoffen.

weiter lesen auf: science.orf.at/stories/3234046 

Gudrun Rath ist Kulturwissenschaftlerin an der Kunstuniversität Linz und arbeitet u. a. zu Kolonial- und Verflechtungsgeschichte. Sie hat den Brasilien-Teil des TMW-Projekts „Koloniale Infrastrukturen“ erforscht, der auf der Aufarbeitung von Archivalien durch die TMW-Archivarin Bettina Jernej basiert.

Der Beitrag begleitet die Sendungen „Guten Morgen mit Ö1“ und „Wissen aktuell“, Ö1, 9.2.2026.

forschung.tmw.at/exhibition 

TMW Eisenbahnarchiv, EA-002801-07

Gudrun Rath; Foto: Luiza Puiu