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17kg

Alessandra Steiner
Performance, 2012
Bachelorarbeit, textil·kunst·design

Durch die ständige Präsenz von Waren aller Art nehmen wir oft gar nicht wahr, wie sehr unser Besitz uns einschränkt, und wie belastend und einschränkend eben dieser auf uns wirken kann. Unsere Wertschätzung dem textilen Material gegenüber hat sich in den letzten Jahrzenten stark verändert. Früher teuer geschätztes Hab und Gut, ist es heute zum Wegwerfartikel geworden, vor allem in Form von Kleidung.
Obwohl Bekleidung zu den Grundbedürfnissen eines jeden Menschen zählt, überschreitet sie im Überfluss die Grenze zum Luxus. Die textile Rohware im Umfang von etwa 40m und 17kg wurde in einer Performance um einen menschlichen Körper gewickelt und sollten eben diesen Überfluss und die einhergehenden Einschränkungen thematisieren.
Durch die Art der Präsentation, dem schrittweisen Einwickeln mit dem Rohmaterial wird die pure Masse dem Betrachter näher gebracht. Durch diesen Prozess entsteht auch jedes Mal ein etwas anderes Objekt. Die Person, die langsam verschwindet, hilft durch Drehbewegungen beim Prozess mit, wickelt sich einerseits selbst ein und wird gleichzeitig eingewickelt. Dadurch nimmt sie stufenweise Einschränkungen in Bewegungsfreiheit und Komfort in Kauf, wird dadurch allmählich zur Skulptur und verliert langsam den Überblick.
Der Betrachter kann während der Performance beobachten, wie die textile Masse auf den Körper einwirkt. Am Ende ist der Kopf nahezu verschwunden, die herausragenden Gliedmaßen wirken im Vergleich dünn - die ganze Figur etwas unbeholfen.
Auf den Bildern ähnelt die entstandene Plastik auch einem Kopffüßler, den ersten Kinderzeichnungen. Die Arbeit könnte somit auch als Statement zu unserer Kopflastigen Welt rezipiert werden, worin es immer schwieriger wird in „all dem Ganzen“ den Überblick zu behalten.

Betreuung: Univ.-Prof. Mag.art. Gilbert Bretterbauer