19. und 20. März 2026, 17.15 und 17.00 Uhr Annenhofkino und Schubertkino
Zeitbasierte und Interaktive Medienkunst laden zum Filmscreening.
Celal Karaaslan fragt seinen Sohn, was er aus seinem Leben machen soll. Sonst hatte er immer die Antworten. Geprägt von körperlich anstrengender Arbeit und einer Krebserkrankung ist Celal nicht mehr in der Lage zu arbeiten. Seine Frage leitet jedoch eine gemeinsame Reise ein.
Geschrieben von Hayrunnisa Özçelik, für sixpackfilm:
Baba, Ne Yapmayı Düşünüyorsun? entfaltet sich als intime dokumentarische Annäherung eines Sohnes an das Leben seines Vaters und zugleich als stilles Portrait einer migrantischen Biografie. Während Celal Karaaslan erzählt und erinnert begleitet Tolga Karaaslan seinen Vater mit der Handkamera auf dessen Weg durch die Vergangenheit: durch Landschaften und Dörfer der Türkei, in denen er aufwuchs und durch die Orte seines Lebens in Österreich. Doch die Rückkehr an frühere Orte offenbart weniger Wiederfindung als Entfremdung: verlassene Häuser, ein zerfallenes Schulgebäude, ein verkauftes Stück Land. Fast alles erscheint nur noch als Spur eines früheren Lebens. Der Film wird so zu einer stillen Erzählung über Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Kontinuität, über ein Leben, das sich lange um Arbeit drehte und dessen Sinn durch Krankheit erschüttert wird. Während der Vater über seine Arbeitsunfähigkeit und die lange Wartezeit auf die Invalidenrente spricht, treten Fragen nach Identität, Verantwortung und familiären Rollenbildern in den Vordergrund. Im Dialog zwischen Celals Frage an seinen Sohn, was er nun mit seinem Leben machen soll und der spiegelnden Frage des Sohnes im Filmtitel Baba, Ne Yapmayı Düşünüyorsun? entsteht der Impuls zu einer gemeinsamen Suche, die beide auf die Reise führt. Der Versuch einer intergenerationalen Verständigung wird sichtbar: Erinnerungen werden geteilt, Lebensgeschichten festgehalten und doch zeigt sich, dass ein Teil des Vergangenen immer entgleitet. Orte verändern sich, Bedeutungen verschieben sich und jede Aufzeichnung kann das gelebte Leben nur annähern. Ein kurzer Moment des gemeinsamen Ankommens, wenn mehrere Generationen am Tisch sitzen, deutet an, wie flüchtig Erinnerung bleibt, bevor sie erneut zur Vergangenheit wird. (Hayrunnisa Özçelik)
Geschrieben von Lisa Heuschober, für Diagonale:
„Wenn jemand in der Familie chronisch krank wird, dann erkrankt die ganze Familie“, erklärt Celal Karaaslan. Er wartet nach Jahrzehnten schwerer körperlicher Arbeit auf die Invaliditätspension. Die Wartezeit entwickelt sich für ihn und seinen Sohn Tolga zu einer Suche nach einer möglichen Zukunft, die die beiden mit existenziellen Fragen konfrontiert: Wie schreibt sich das Leben in den Körper ein? Welche Vorstellungen von Zugehörigkeit, Sicherheit, Familie und männlichen Rollenbildern entstehen in der Auseinandersetzung mit den zurückgelegten Lebenswegen? „Wenn jemand in der Familie chronisch krank wird, dann erkrankt die ganze Familie“, erklärt Celal Karaaslan, der jahrzehntelang schwer körperlich gearbeitet hat. Celal verließ als junger Mann nach Studium und Militärdienst die Türkei, da er die korrupte Regierung nicht unterstützen wollte. Nun wartet er in Österreich auf die Invaliditätspension. Nach seiner langen Krebserkrankung wünscht er sich Ruhe und Sicherheit für sich, seine Familie und seinen Körper.
Für Celal und seinen Sohn Tolga entwickelt sich die Wartezeit zu einer Suche nach einer möglichen Zukunft. Dabei sehen sich beide mit existenziellen Fragen konfrontiert. Wie schreibt sich das Leben in den Körper ein? Und wie prägt und formt dieser die Geschichte einer Familie? Dafür spüren sie jenen Orten nach, die beim Vater entsprechende Spuren hinterlassen haben. Sie besuchen Schulgebäude, gehen durch Gärten und Tabakfelder in der Türkei sowie durch Kleinstadtwohnungen und über Krankenhausparkplätze in Österreich. Dabei entfalten sich zwischen Orten, Zeiten und Zeilen migrantische Biografien, die von Bewegung, Arbeit und Fürsorge geprägt sind. Diese Biografien wechseln zwischen Vertrautheit und Entfremdung hin und her und lassen sich nicht voneinander trennen. Welche Vorstellungen von Zugehörigkeit, Sicherheit, Familie und männlichen Rollenbildern entstehen bei der Auseinandersetzung mit den zurückgelegten Lebenswegen?
Baba, What's Your Plan? ist die ruhige Nacherzählung bewegender, erschütternder und beinahe zerrüttender Momente. Das intime Nachspüren eröffnet für Celal und Tolga einen Reflexionsraum, der weit über private Familienerinnerungen hinausreicht. In der unausweichlichen Auseinandersetzung mit Grenzen, Bürokratie und politischen Hürden betont das Abtasten von Celals Biografie die Notwendigkeit eines solidarischen Verständnisses von Arbeit, Gesundheit und Fürsorge als gesellschaftliche Verantwortung. (Lisa Heuschober)
DIAGONALE 2026 SCREENINGS
19. März 2026 um 17.15 Uhr im Annenhofkino (Premiere)
20. März 2026 um 17.00 Uhr im Schubertkino