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EXHIBITION

There's an Elephant in the Room

5. bis 15. März 2026 kavvasaki, Payergasse 12, Yppenplatz, 1160 Wien

Vernissage am 5. März 2026 um 18.00 bis 22.00 Uhr
Finissage am 15. März 2026 um 18.00 bis 22.00 Uhr

Herkunft, Identität und die Ambivalenz der Wahrnehmung

Studierende der Kunstuniversität Linz aus den Bereichen Experimentelle Gestaltung, Künstlerische Fotografie, Malerei & Grafik, Bildhauerei - transmedialer Raum sowie Grafik-Design und Fotografie erforschen in ihrer neuen Ausstellung die komplexe Beziehung zwischen Fotografie, Realität und gesellschaftlichen Konstruktionen.

Inspiriert von Pierre Bourdieus "Die feinen Unterschiede" und Thomas Bernhards "Die Auslöschung" nehmen sie Themen wie Scham, Herkunft, Milieu, Selektion und Distinktionsmerkmale in den Blick.

In einem Dialog mit Bourdieus Analyse der sozialen Hierarchien und Bernhards dystopischer Vision einer Gesellschaft, hinterfragen die Studierenden unsere Sehgewohnheiten, die Konstruktion von Identität und die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion.

Durch die Kombination von Skulptur, Installation, Video und Fotografie erweitert das Ausstellungsprojekt "There's an Elephant in the Room" den Rahmen der Fotografie und schafft einen vielschichtigen Raum, der geprägt ist von der performativen Konstruktion von Identität, medialer Überflutung und fragmentarischer Wahrnehmung.

Wie lassen sich Scham, Herkunft und Distinktion in Zeiten digitaler Vernetzung visualisieren? Die Künstler*innen beleuchten diese Fragen und analysieren die Schattenseiten des gesellschaftlichen Alltags sowie die Mechanismen der Ausgrenzung.

Das Ausstellungsprojekt lädt die Besucher*innen ein, diese Fragen im Kontext der vorgelegten Werke kritisch zu reflektieren und eigene Positionen einzunehmen - denn genau das scheinbar Unwichtige kann uns am deutlichsten die zugrundeliegenden Strukturen eines Systems enthüllen.

Teilnehmende Künstler*innen sind:
Anton Adamer, Valentin Bernauer, Johanna Bräunig, Leon Cholmakow, Vinzenz Erdmann Zsutty, Marlene Gläss, Eleonora Hrybniak, Anna Höpfl, Yuxiao Jiang, Paul Kamelreiter, Lukas Meixner, Topi Piirainen, Nicole Toferer

Kuratiert von Martin Bilinovac, Institut Bildende Kunst und Kulturwissenschaften.

Schneeengel © Valentin Bernauer

Valentin Bernauer || Schneeengel
Entstehungsjahr: 2026
Technik: Photo Luster mit Dammar Beschichtung
Auflage: 1/1

Ist Teil des Projektes, in dem ich stillgelegte Skipisten meiner Kindheit  in Oberösterreich besuche.
In der Nachkriegszeit wurde das Skifahren zu einem zentralen Instrument zur Bildung einer unabhängigen österreichischen Identität. Dieser Teil der neu gewonnenen Identität ist nun in Gefahr. Kleine Skipisten in tiefer gelegenen Gebieten werden bereits geschlossen, sodass es immer unmöglicher wird, an diese Orte der Erinnerungen zurückzukehren. Der Schnee fehlt, das Geld fehlt, die Menschen, die sich um diese Anlagen kümmern, sterben. Das Verschwinden dieser Pisten markiert den Beginn des Verlusts eines Teils der österreichischen Identität bzw. eine, die nur mehr denen zugänglich ist, die es sich leisten können.
Die Fotografie zeigt einen Schneeengel an diesen Orten.

Valentin Bernauer || Sonnenbaden
Entstehungsjahr: 2025
Technik: Video, 03:13 min

Ist Teil des Projektes, in dem ich stillgelegte Skipisten meiner Kindheit  in Oberösterreich besuche.
In der Nachkriegszeit wurde das Skifahren zu einem zentralen Instrument zur Bildung einer unabhängigen österreichischen Identität. Dieser Teil der neu gewonnenen Identität ist nun in Gefahr. Kleine Skipisten in tiefer gelegenen Gebieten werden bereits geschlossen, sodass es immer unmöglicher wird, an diese Orte der Erinnerungen zurückzukehren. Der Schnee fehlt, das Geld fehlt, die Menschen, die sich um diese Anlagen kümmern, sterben. Das Verschwinden dieser Pisten markiert den Beginn des Verlusts eines Teils der österreichischen Identität bzw. eine, die nur mehr denen zugänglich ist, die es sich leisten können.
Das Video zeigt, wie ich mich im Sonnenschein dieser Pisten bade, gefilmt von Zara Safari.

Sonnenbaden © Valentin Bernauer

Anton Adamer

Eine Liveprojektion des Innenraums und der Besucher*innen wird auf die Außenwand eines Hauses am Flachdach übertragen. Die Besucher*innen können so sehen, wie sie selbst und andere von außen wirken. Sie nehmen sich für einen Moment aus der üblichen Perspektive heraus und erleben das Geschehen im Raum aus einer „Außenansicht“. 

 

Paul Kamelreiter || container (1-3)
steel, aluminum, lacquer, nylon, stainless steel hardware, light, cable
2026

continere, contineo, continui, contentum (e-Konjugation)
continere: Inf. Praes. Akt.
I. enthalten
II. zusammenhalten, umfassen, fassen
III. verbinden
IV. rings umgeben, eingrenzen, einschließen
V. Zügeln, zurückhalten, im Zaume halten, in Schranken halten, beherrschen, festhalten
VI. abhalten von, hindern, behalten
VII. erhalten, bewahren
VIII. beruhen, enthalten sein, bestehen aus (Pass.)
IX. das Wasserlassen zurückhalten (Petr.)

Die Behälter sind so dimensioniert, dass in jeden ein Gegenstand aus der NS-Vergangenheit meines Urgroßvaters passt. Die Boxen bleiben leer, der Inhalt bleibt unbekannt. Gezeigt wird Licht, Farbe, und die Verborgenheit, die sich selbst fetischisiert.

container (1-3) © Paul Kamelreiter

Anna Höpfl || Heimfahren I
Entstehungsjahr: 2026
Material: Draht, diverse Fundstücke 

Die Arbeit “Heimfahren I” besteht aus einem geknüpften Drahtgitter, das mit unterschiedlichen Fundstücken gefüllt ist. Die Objekte stammen aus meinem Zuhause, in dem ich aufgewachsen bin, aus Reisen oder aus dem Alltag. Sie spiegeln Erinnerungen, persönliche Erfahrungen und flüchtige Momente wider.
Das Drahtnetz verknüpft diese verschiedenen Erinnerungen miteinander, wodurch ein komplexes Geflecht aus Vergangenheit und unvollendeten Wegen entsteht. 
Die Arbeit thematisiert die Zerrissenheit zwischen mehreren Zuhause. Sie zeigt, wie Erinnerungen und Orte sich überlagern, überschneiden und gleichzeitig voneinander getrennt bleiben. Die Gegenstände werfen Fragen nach Heimat, Zugehörigkeit und Identität auf und spiegeln das Gefühl wider, zwischen mehreren Zuhause zu stehen, ohne genau zu wissen, wo man wirklich zugehörig ist.
Es handelt sich um eine zweiteilige Arbeit, die zur gleichen Zeit in zwei unterschiedlichen Städten ausgestellt wird.

 

Lukas Meixner || Readymate
2026
Silbergelatinedruck auf Gewächshausglas

Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit sieben erwachsenen Nachkommen einer Wiener Gärtnerfamilie, deren Betrieb bis heute von vier Söhnen weitergeführt wird. Mein Zugang ist stark ortsgebunden und mein Interesse gilt dem bevorstehenden Generationenwechsel in einem über Generationen gewachsenen Familienunternehmen.
Die Glashäuser des Betriebs befinden sich in einem kontinuierlichen Prozess der Erneuerung. Ältere Konstruktionen werden durch moderne, energiesparende Glassysteme ergänzt und ersetzt. Bruch und Austausch sind Teil eines funktionalen Kreislaufs permanenter Instandhaltung. Für die Erhaltung der Gewächshäuser stehen materielle Reserven zur Verfügung und beschädigte Elemente können ersetzt werden. Während ebenerdige Glasflächen rasch und routiniert gewechselt werden, erfordert der Austausch der Dachgläser in mehreren Metern Höhe externe Unterstützung. Mit zunehmender Höhe steigen Risiko und Fallhöhe.
In diesem materiellen Prozess erkenne ich eine strukturelle Parallele zum Generationswechsel im Unternehmen. Dem funktionalen Ersatz von Glas steht ein familiäres Gefüge mit begrenzten personellen Ressourcen gegenüber. Der anstehende Wechsel in der Geschäftsleitung ist kein technischer Vorgang, sondern eine offene, existentielle Entscheidung innerhalb eines sozialen Zusammenhangs.

Readymate © Lukas Meixner

MARLENE GLÄSS || fragile 
2026
frottages on ceramique tiles
laserink, ceramiques, aceton/nitro

Die Arbeit besteht aus 14 Stk Kacheln die jeweils 15x15cm groß sind. Auf ihnen befindet sich eine Abbildung der Szenerie im Nationalpark “Calanques”, im Süden Frankreichs. 
Die Arbeit entstand während meines Auslandssemesters in Marseille. In der neuen, mir noch unbekannten Umgebung haben mir die Berge des Nationalparks zum ersten Mal ein Gefühl von Heimat gegeben. Heimat/Herkunft und Zugehörigkeit war für mich noch nie verbunden mit einem konkreten Ort, sondern vielmehr mit einem Gefühl von Ruhe das ich in den Bergen verspüre.
Das Foto ist mit der “Frottage-Technik” auf die Kacheln übertragen worden. 
Es entstehen abstrahierte Abbilder die als Einzelteile als etwas abstraktes und unkonkretes wahrgenommen werden und erst durch das Zusammenfügen mit den anderen ein großes ganzes Bild ergeben. Die Kacheln fungieren als Sinnbild für unkonkrete / verschwommene Erinnerungen und Gedanken die mit Herkunft/Heimat und Kindheit verbunden sind. Durch die Materialität der Kacheln wird die Fragilität der Begriffe unterstrichen. Ebenso zu verstehen sind die Objekte auch als verschiedene Bruchstücke von Zugehörigkeit, die zusammengesetzt das Gefühl ganzheitlich verbildlichen.

 

Johanna Bräunig || DER ELEFANT IM RAUM
2026
Draht, Latex, Gips
1 Auflage

DER ELEFANT IM RAUM bezeichnet ein offensichtliches Problem oder eine unangenehme Wahrheit, die allen bekannt ist, jedoch aus Scham oder Bequemlichkeit meist unausgesprochen bleibt.

Die Arbeit thematisiert die Rolle von Determination und Herkunft, sozialer Distinktion, und dem Habitus innerhalb der Kunstwelt. Was als „guter Geschmack“ oder „gute Kunst“ gilt, ist kein neutraler Maßstab, sondern Ergebnis von Wertungsstrukturen, die maßgeblich von kulturell und ökonomisch privilegierten Klassen definiert werden. Die Kriterien, nach denen Kunst gelesen und beurteilt wird, bleiben dabei häufig unausgesprochen – oder, wie Bourdieu schreibt, „das Wesentliche bleibt unaufgedeckt“. Diese stillschweigende Übereinkunft trägt zur Mystifizierung, Exklusivität und eingeschränkten Zugänglichkeit der Kunstwelt bei. Wer aufgrund von Herkunft, Bildung und ökonomischem Kapital selbstverständlich in dieses System passt, erlebt es häufig als natürlich gegeben oder ignoriert es aus Bequemlichkeit oder peinlicher Berührung. Um Teil des Kunstbetriebs zu sein, wird indirekt erwartet, ihre Regeln, Codes und Machtstrukturen zumindest implizit anzuerkennen. Der als „gut“ geltende Geschmack, welcher darüber entscheidet, was gesehen, verstanden und anerkannt wird, fungiert dabei als Distinktionsmittel: Er trennt soziale Schichten, ohne sich offen als Machtinstrument zu zeigen. Erfolg, Sichtbarkeit und Anerkennung entstehen nicht im luftleeren Raum und sind keineswegs ausschließlich Ergebnis individueller Begabung oder Leistung. Vielmehr wirken Faktoren wie soziale Herkunft, Zugang zu Netzwerken, institutionelle Nähe, ökonomische Sicherheit und kulturelles Vorwissen zusammen. 
Als Kunstschaffende*r ein Bewusstsein für diese Strukturen zu entwickeln und die eigene Position innerhalb der Kunstwelt zu reflektieren, wird daher essentiell. Doch obwohl die soziale und kulturelle Hierarchisierung den meisten bewusst ist, wird sie zu selten offen thematisiert und auch problematisiert – und bleibt somit der allgegenwärtige Elefant im (Ausstellungs-)Raum.
 

Eleonora Hrybniak || As far as I could get 
2026
gehäkelte Baumwolle

Die Arbeit zeigt die Rückseite der Arkadiivska-Allee in Odessa im Zustand von 2011, also vor ihrem Umbau. Ein Ort am Schwarzen Meer, der heute nur noch in Erinnerung existiert: im Schatten alter Bäume, in einer Atmosphäre von Ruhe und Rückzug.
Mit der Neugestaltung verschwand diese Schicht der Stadt. Der Erholungsraum wurde zu einer offenen, kommerziell strukturierten Fläche. Solche Transformationen sind Teil einer größeren Bewegung, in der Freizeitorte zunehmend ökonomischen Logiken folgen.
Die Arbeit nähert sich diesem verschwundenen Ort nur indirekt – als Spur, als Abstand. As far as I could get markiert die Grenze zwischen dem, was einst erfahrbar war, und dem, was heute noch erreichbar ist.

As far as I could get © Eleonora Hrybniak

Nicole Toferer || Sealed
2026
Stahl, Fotografien auf Latex
Unikat
150 x 44 x 14 cm

Meine Arbeit beschäftigt sich mit Herkunft und der Frage, wie sich soziale Prägung im Körper einschreibt.Ausgangspunkt ist ein gebrauchtes Abgassystem aus dem elterlichen Familienbetrieb. Ein Objekt, das für Funktion, Leistung und Durchfluss steht. In der Arbeit wird dieser Durchfluss unterbrochen. Öffnungen werden blockiert, Fotografien aus dem familiären Alltag auf Latex übertragen und über die Löcher gespannt.
Der Stahlkörper bleibt verschlossen. Das Innere ist präsent, aber nicht zugänglich.
Die Bilder sind klein, unscharf und fragmentarisch. Sie lassen sich nicht vollständig erfassen. Um sie zu sehen, muss man sich nähern, ohne wirklich hineinzukommen.
Mich interessiert dieser Zustand der Nicht-Durchlässigkeit – materiell wie sozial. Eine Herkunft, die Sicherheit bot, aber kulturell schwer anschlussfähig ist. Die Arbeit versucht nicht, diese Spannung aufzulösen, sondern sie körperlich erfahrbar zu machen.

Sealed © Nicole Toferer

Leon Cholmakow  || …
Acht Dominosteine, Holzfaserdämmplatte, Spraypaint, 
125cm / 60cm / 10cm

Der Ausgangspunkt für meine Arbeit ist der Roman Auslöschung von Thomas Bernhard, in dem Familienverhältnisse und die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit eine zentrale Rolle spielen.
Für die Ausstellung habe ich überdimensionale Dominosteine gebaut. Diese können für ein System stehen, wie Familie,  Klasse oder Landbevölkerung.
Die Steine stehen in einer Beziehung zueinander: Die Bewegung eines Elements hat Auswirkungen auf die anderen (Dominoeffekt). 
Vergleichbar mit dem Einfluss vergangener  Handlungen auf die nachfolgenden Generationen.
Im Zentrum steht die Frage, wie sich Geschichte über Generationen hinweg fortsetzt und welche Spuren sie in der Gegenwart hinterlassen.
Welche Verantwortung entsteht für uns aus den Handlungen früherer Generationen? 

© Leon Cholmakow

Topi Piirainen || My pieces
Entstehungsjahr: 2026
Analog Schwarzweissfoto vergrößert auf analogen Baryt Fotopapier 
Kamera Mamiya 645, Film Ilford Panf
Auflage: 1/1

Die Gesellschaft bietet uns Möglichkeiten zur Definition, Rollen, die wir spielen sollen – manchmal vorgeben müssen, manchmal ignorieren können. Unterdrückung geschieht und reißt uns auseinander. Die Gesellschaft definiert uns erneut, und so werden wir durch Erwartungen wieder zusammengesetzt, durch die Angst vor Ablehnung. Wir werden leidenschaftliche Hüter unserer Bruchstücke von uns selbst.

Society gives us opportunity for definition, parts we should play, sometimes to pretend and sometimes to ignore. Suppression happens and tears us apart, and Society defines us again, in this way we are pieced back together through expectations, through fear of rejection. We become passionate holders of our pieces of ourselves. 

My pieces © Topi Piirainen

Vinzenz Erdmann Zsutty || Hänger 
Entstehungsjahr: 2026
Stahl, Kleidung 
1/1

Hänger © Vinzenz Erdmann Zsutty