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VORTRAG

Vegetale Bildpolitiken im zeitgenössischen Experimentalfilm

1. Dezember 2026, 18.00 Uhr Kepler Salon, Rathausgasse 5, 4020 Linz

Gastvortrag von  Gabriele Jutz im Rahmen der Reihe "relatifs", der Abteilungen Kunstgeschichte/Kunsttheorie und Kulturwissenschaft.

Die Besorgnis über die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Umwelt hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen, was Wissenschaftler*innen dazu veranlasste, ein neues geologisches Zeitalter namens „Anthropozän“ vorzuschlagen. Dieses Zeitalter ist von menschlicher Dominanz geprägt und bringt bekanntlich eine Vielzahl ökologisch schädlicher Folgen mit sich. Mit seinen Auswirkungen beschäftigen sich auch Experimentalfilmer*innen. Der Vortrag wird zwei filmische Beispiele vorstellen: Aspect (2004) der britischen Filmemacherin Emily Richardson und 16 mm (2008–2011) des spanisch-brasilianischen Filmemachers Daniel Steegman Mangrané. Beide auf 16-mm-Film realisierten Kurzfilme widmen sich dem Ökosystem Wald, nähern sich ihrem Sujet jedoch auf unterschiedliche Weise. Mithilfe eines Vergleichs zwischen Aspect und 16 mm diskutiert der Vortrag, wie die Filme über ihre je eigenen Darstellungsstrategien anthropozentrische Perspektiven auf nicht-menschliche Ökosysteme (Wälder) kritisch adressieren, dezentrieren und überschreiten.

Gabriele Jutz ist Honorarprofessorin für Film- und Medienwissenschaft der Abteilung für Medientheorie. Ihre aktuellen Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Geschichte und Theorie von moving image-based art, von experimentellem Film, experimenteller Animation und hybriden Formen (bewegte Bilder kombiniert mit Malerei, Fotografie, Performance, Skulptur usw.). Ihre Buchpublikationen beinhalten Cinéma brut. Eine alternative Genealogie der Filmavantgarde (Springer 2010), Animating Truth(s). The Films of Maria Lassnig and Their Context(2019). Sie ist Herausgeberin (mit with Edgar Lissel und Nina Jukić) von RESET THE APPARATUS! (de Gruyter 2019). Jutz hat zahlreiche Artikel in Zeitschriften und Sammelbänden veröffentlicht, u.a. in Palgrave Handbook of Experimental Cinema (Kim Knowles und Jonathan Walley, Hg., 2024).

Weitere TERMINE 2026/27

27. 10. 2026, 18.00 Uhr, Karla Pinhel Ribeiro:  Power and Violence in Walter Benjamin.  A Global South Perspective

10. 11. 2026, 18.00 Uhr, Annette Kern-Stähler: Der Teufel stinkt.  Sinneserfahrungen im Theater des Mittelalters

19. 01. 2027, 18.00 Uhr, Ella Comberg:  Cybernetic Anthropology’s Mimetic Beginnings

Plakat.pdf

Bekanntermaßen heißt »relatif à« so viel wie »bezüglich«, aber auch »einschlägig«; »être relatif / relative à qn/qc« bedeutet »sich auf jemanden beziehen«. Das »pronom relatif«, das Relativpronomen, ist das »bezügliche Fürwort«, das Wort also, welches im Relativsatz ein Substantiv des übergeordneten Satzes ersetzt. Damit ist das Relativpronomen ein Stellvertreter, der aber ohne den von ihm bezeichneten Referenten nicht existiert.

Im Kunstwort »relatifs« klingen Verhältnisse und Beziehungen an, aber auch Verwandte und Relais. Die Veranstaltungsreihe versteht sich so: als eine Schaltstelle zwischen verschiedenen kunst-, kultur- und medienwissenschaftlichen Ansätzen, als Vernetzungsstruktur zwischen Forschungen, die auf den ersten Blick disparat wirken, wie eine Familienfeier, anlässlich derer auf den Tisch kommt, was gerade unter den Nägeln brennt.

Internationale Wissenschaftler*innen sind eingeladen, über ihre aktuelle Forschung, ihr Vorgehen und offene Fragen zu sprechen. Wir wollen keine Themen setzen, sondern Forscher*innen mit ihren Passionen und Problemen dazu einladen, im Entstehen begriffene Arbeiten zu präsentieren. Wir möchten eine Atmosphäre schaffen, in der Gewagtes diskutiert wird und sich neue Ideen entfalten können.