20. Oktober 2026, 19.00 Uhr Kunstuniversität Linz, Hauptplatz 6, Glashörsaal C, 4020 Linz
Mit dem Auftakt zum Jahresthema Concerning Care eröffnet Elke Krasny gemeinsam mit dem Institut für Architektur / Studio Städtebau einen Denkraum zwischen Sorge, Raum und Politik – zwischen Gewalt, Souveränität und Solidarität.
Architektur situiert: sie bestimmt Anordnungen, Verhältnisse und Beziehungen zwischen Körpern, Räumen, Materialien, Technologien, Infrastrukturen und Ökologien. Was bedeutet es, dies grundlegend durch die Perspektive von Care zu betrachten, um zu verstehen, wie Architektur Sorge situiert und damit die materiellen und räumlichen Bedingungen bestimmt, die Leben ermöglichen und erhalten. Dennoch wurde Care historisch weder in den politischen und ökonomischen Ordnungen, die Architektur bestimmen, noch in der Architekturtheorie und der professionellen Architekturpraxis als zentrale kritische Perspektive entwickelt.
Die Begriffe Sorgegewalt, Sorgesouveränität und Sorgesolidarität eröffnen drei Analyseperspektiven auf Architektur. Sie zeigen, wie Architektur Sorge instrumentalisieren, Gewalt hervorbringen und Herrschaft verfestigen kann – aber auch, wie sie Räume für Selbstbestimmung schaffen, Sorge aus Unterdrückung befreien und Solidarität zwischen menschlichem und nichtmenschlichem Leben ermöglichen kann. Care wird damit zum Ausgangspunkt für eine kritische Neubetrachtung dessen, was Architektur bewirkt, wen sie schützt, wen sie gefährdet und wie sie die Bedingungen von gemeinsamem Lebens gestaltet.
Elke Krasny
Professorin an der Akademie der bildenden Künste Wien. Dr. Krasny forscht, veröffentlicht und hält international Vorträge zu Fragen von Care in Architektur und Urbanismus sowie in zeitgenössischen kuratorischen und künstlerischeen Praxen. Ihre Ausstellung Hands-On Urbanism wurde bei der Architekturbiennale in Venedig 2012 gezeigt. In Anerkennung ihrer Beiträge zur feministischen Forschung wurde sie 2023 mit dem Gabriele Possanner Staatspreis ausgezeichnet.
Mit Angelika Fitz gab sie Critical Care. Architecture and Urbanism for a Broken Planet (MIT Press, 2019) heraus, mit Sophie Lingg und Claudia Lomoschitz Feminist Infrastructural Critique (FKW Journal, 2024) sowie Abundance not Capital. The Lively Architecture of Anupama Kundoo mit Angelika Fitz (MIT Press, 2025).