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Design. Handwerk. Technologie. Wirtschaftskammer OÖ und Kunstuniversität Linz starten Initiative für Innovation im Handwerk

Pressemitteilung vom 21. Mai 2026

Stärken von Handwerk und Zukunftstechnologien verbinden
WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer 

Mit der Initiative „Design.Handwerk.Technologie.“ wird in Oberösterreich ein innovatives Zukunftsprojekt umgesetzt, das gezielt die Stärken des regionalen Handwerks mit den Möglichkeiten von Design, Digitalisierung und moderner Technologie verbindet. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu stärken, neue Innovationsräume zu erschließen und damit den Wirtschaftsstandort Oberösterreich nachhaltig weiterzuentwickeln.

Angelegt ist die Initiative vorerst bis 2028. Handwerk trägt die regionale Wirtschaft „Für uns als Wirtschaftskammer ist die Initiative ein strategisch wichtiger Baustein, um das Handwerk langfristig zukunftsfit zu machen. Das Handwerk ist seit jeher ein zentraler Innovationstreiber. Viele technologische Entwicklungen basieren auf handwerklichem Wissen und kontinuierlicher Weiterentwicklung. Gleichzeitig steht das Handwerk heute vor großen Herausforderungen: Digitalisierung, Fachkräftemangel und steigender Innovationsdruck erfordern neue Zugänge. Genau hier setzt ‚Design.Handwerk.Technologie‘ an“, erklärt WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer.

Mit 58.000 Gewerbe- und Handwerksbetrieben ist der Sektor das Fundament der regionalen Wirtschaft und mit mehr als 9.000 Lehrlingen der größte Ausbilder. Wie die aktuelle Stimmungslage zeigt, regieren jedoch Vorsicht und Verunsicherung. Die Geschäftserwartungen verheißen für das laufende Quartal keinen Aufschwung, sondern eine Seitwärtsbewegung. Dieser Trend hält österreichweit an und führt zu großer Investitionszurückhaltung. Die Betriebe kämpfen mit Steuern und Abgaben, Preissteigerungen bei Rohstoffen und Energie, Bürokratie
und Arbeitskosten. Mehr als ein Drittel sieht auch im Fachkräftemangel eine Herausforderung.

„In dieser Lage wird deutlich: Entlastung bei Arbeits-, Energie- und Bürokratiekosten ist dringend notwendig, um den Unternehmen
wieder Luft zum Atmen zu verschaffen. Innovation ist ein Hebel, der sowohl auf der Kostenseite – beispielsweise durch Automatisierung – angesetzt werden kann als auch in der Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle“, hebt WKOÖ-Präsidentin Hummer die Bedeutung von Innovation für das Handwerk hervor.

Die Initiative ‚Design.Handwerk.Technologie‘ verbindet traditionelles Know-how mit modernen Technologien und schafft für die Betriebe dadurch einen niederschwelligen Zugang zu Forschung und Entwicklung. So werden ihnen neue Perspektiven für Produkte, Prozesse und ganze Geschäftsmodelle eröffnet.

„Die WKOÖ bringt dabei ihre zentrale Stärke ein: das breite Netzwerk zu den Betrieben und die Nähe zur Praxis. Gemeinsam mit Partnern wird so ein innovationsförderndes Umfeld geschaffen, das insbesondere kleine und mittlere Unternehmen gezielt unterstützt“, sagt Doris Hummer. 

Unterstützung, wo eigene Strukturen im Betrieb fehlen

Ein wesentlicher Mehrwert der Initiative liegt im niederschwelligen
Zugang zu Innovation. Gerade KMU verfügen oft nicht über eigene Forschungsstrukturen. Durch die Initiative können sie dennoch aktiv an Entwicklungsprozessen teilnehmen.

Konkret profitieren Betriebe durch:

  • Zugang zu Know-how und Technologien
    Betriebe erhalten direkten Zugang zu Designkompetenz, technologischer Expertise und künstlerischer Forschung. Dadurch können neue Produkte, Materialien und Verfahren entwickelt werden.
  • Entwicklung neuer Geschäftsmodelle
    Durch die Kombination von Design, Handwerk undTechnologie entstehen neue Wertschöpfungsansätze – etwa im Bereich individualisierter Produkte oder digital unterstützter Fertigung.
  • Konkrete Projektformate
    Von kurzen Innovationsimpulsen bis hin zu mehrmonatigen Entwicklungsprojekten reicht das Angebot. Unternehmen können je nach Bedarf einsteigen und schrittweise Innovation aufbauen.
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
    Durch neue Kompetenzen und Produkte erhöhen Betriebe ihre Marktchancen – regional wie international.
  • Attraktivität als Arbeitgeber
    Moderne, innovative Arbeitsumfelder machen Handwerksbetriebe für junge Fachkräfte deutlich attraktiver – ein entscheidender Faktor im Wettbewerb um Talente.

Raum für Experimente schaffen
Brigitte Hütter, Rektorin Kunstuniversität Linz

Eine digitale Ziehharmonika mit Echtholz-Furnier, die ihren Klang durch Samples erzeugt. Hochwertige Sattel, die nun mit Roboterarmen nach 300 Jahre alter Tradition gefertigt werden. Oder ein Pavillon aus rein natürlichen Materialen, der die Symbiose zwischen Architektur und Natur im Linzer Botanischen Garten ermöglicht.

Das sind nur drei von vielen Vorzeigeprojekten der Kunstuniversität Linz, die künftig von der neuen Initiative „Design.Handwerk.Technologie.“ mit Unterstützung von Oberösterreichs Wirtschaftskammer profitieren könnten. Ziel ist es, dass Studierende mit den Lehrenden neue Ideen, Produkte, Prozesse oder digitalen Anwendungen in Zusammenarbeit mit Klein- und Mittelbetrieben und ihrem traditionellen Wissen
entwickeln. Mit dem gemeinsamen Vorstoß will man Raum für Experimente und unkonventionelle Denkansätze schaffen.

Vermittlung von Theorie und Praxis stärken
Denn grundsätzlich soll es die neue Kooperation Klein- und Mittelbetrieben ermöglichen, Innovationspotenziale zu realisieren, gleichzeitig wird an der Kunstuniversität Linz die Vermittlung von Theorie und Praxis weiter gestärkt. In den Bereichen Produkt- und Konzeptentwicklung arbeiten Studiengänge der Kunstuniversität Linz von der Architektur über Creative Robotics und Industrial Design bis zu Fashion & Technology längst erfolgreich mit diversen Unternehmen zusammen. Speziell das Co.Lab „Crafting Futures“ setzt sich dabei mit gesellschaftlichen, technischen sowie ästhetischen Wechselwirkungen von Handwerk und digitalen Technologien auseinander und verfügt über hochmoderne Werkzeuge. Martin Schwab von der Kunstuniversität Linz, der dort die neue Kooperation „Design.Handwerk.Technologie.“ leitet und initiiert hat, erklärt: „Beide Seiten, das traditionelle Handwerk und das zeitgenössische Design, bieten einander neue Perspektiven und ermöglichen im Bestfall durch moderne Technologien neue innovative Denkansätze und auch Geschäftsmodelle.“

Brigitte Hütter, Rektorin der Kunstuniversität Linz:
„Wir freuen uns sehr, dass mit der Initiative ,Design.Handwerk.Technologie.‘ Projekte profitieren, die Studierende mit unserer künstlerischwissenschaftlichen Expertise und regionalen Betrieben gemeinsam entwickeln und produzieren. Kooperationen wie diese ermöglichen gesellschaftlichen Fortschritt und unseren jungen Gestalter:innen mehr denn je das Kennerlernen, Wertschätzen und Verbinden traditioneller Handwerkskunst mit modernen Technologien, die sowohl in den Werkstätten der Kunstuniversität Linz unter Nutzung lokaler und nachhaltiger Ressourcen als auch mithilfe unserer innovativen Gestaltungsdisziplinen entstehen.“

„MIDI Harmonika“: Ziel des Projekts war die Entwicklung einer digitalen Steirischen Har-monika für die Firma Kärntnerland. Die Familie Schwarz stellt seit Jahrzehnten klassische Steirische Harmonikas her. 1986 präsentierte sie zum bestehenden analogen Sortiment die erste MIDI Harmonika. Bei der MIDI-Harmonika wird der Klang nicht wie beim analogen Instrument durch das Schwin-gen der Stimmzungen erzeugt, sondern durch das Abspielen von aufgenommenen „Samples" Im Bild: „MIDI Harmonika“ / Foto: Erwin Klinglhuber
Robotereinsatz: Die Karl Niedersüß GmbH
aus Rohrbach produziert seit 300 Jahren
hochwertige Sättel und Reitzubehör. Mit dem
Labor für Kreative Robotik wurde das Projekt
Sattelfertigung 4.0 umgesetzt. Ziel war
die Fertigung von Sattelbäumen durch den
Einsatz von Robotern. Gemeinsam wurde ein
digitales Modell entwickelt, die Arbeitsschritte
analysiert, Prototypen gefertigt
sowie die Robotersteuerung programmiert
und optimiert. Im Bild: Robotereinsatz / Foto: Johannes Braumann
Pavillon im Botanischen Garten: Der BASEhabitat-Pavillon im Botanischen Garten auf
der Linzer Gugl ist ein nachhaltiges Bauwerk
aus natürlichen Materialien, entworfen von
Master-Studierenden der Kunstuniversität
Linz. Er dient als Informations- und Aufenthaltsbereich, der durch bewusste Architektur Bezüge zur Gartenlandschaft herstellt. Der Pavillon betont den Einsatz lokaler
Materialien und umweltfreundliches Bauen. Im Bild: Pavillon im Botanischen Garten /
Foto: Kurt Hoerbst

Mehrwert durch konkrete Ergebnisse für Betriebe
Dr. Gerald Silberhumer, Direktor WKO Oberösterreich

Die Initiative geht weit über einzelne Betriebe hinaus. Sie wirkt als strukturpolitisches Instrument zur Weiterentwicklung des gesamten Wirtschaftsstandorts. Durch die gezielte Vernetzung von Handwerk, Kreativwirtschaft und Technologie entstehen neue Innovationsökosysteme. Diese tragen dazu bei, regionale Wertschöpfung zu sichern, gerade auch im ländlichen Raum. Der Anspruch ist, dass Oberösterreich zum Vorreiter für neue Produktionsmodelle wird.

Die Überlegungen für das Projekt ,Design.Handwerk.Technologie‘. stammen aus der Europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024. Erste Schritte sollen deshalb auch im Salzkammergut umgesetzt werden. In der Folge ist geplant, Projekte in ganz Oberösterreich zu realisieren.

Kooperationen werden gefördert

„Design.Handwerk.Technologie.“ steht für einen neuen Zugang zu Innovation: nicht isoliert in einzelnen Bereichen, sondern durch gezielte Verbindung von Kompetenzen. Die Initiative, welche von unserer Abteilung Bezirksstellen getragen wird, zeigt, wie das gelingen kann: durch Kooperation statt Insellösungen, durch Praxisnähe statt Theorieferne und durch den Mut, traditionelle Stärken mit neuen Technologien zu verbinden“, sagt WKOÖ-Direktor Gerald Silberhumer. 

Im Rahmen der Initiative werden daher konkrete Kooperationen zwischen handwerklich orientierten KMU und der Kunstuniversität auch in Form einer finanziellen Förderung unterstützt. „Wichtig ist, dass die Projekte zu konkreten Ergebnissen führen und durch den Wissenstransfer Forschung – Wirtschaft einen Mehrwert für die beteiligten Betriebe schaffen“, ergänzt Silberhumer. 

Finanziell unterstützt wird die Initiative neben der Wirtschaftskammer Oberösterreich auch von starken regionalen Partnern: Die Marktgemeinde Bad Goisern engagiert sich aktiv für die wirtschaftliche Stärkung ihrer regionalen Betriebe. Im Handwerkhaus Salzkammergut finden sich bereits zahlreiche Unternehmen, die ideale Voraussetzungen für interdisziplinäre Kooperationen mitbringen. Auch die Nachfolgeorganisation der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024, „Aufbruch Salzkammergut“, beteiligt sich an diesem Projekt und sieht großes Potenzial an der Schnittstelle von Tradition, Kultur und Zukunftstechnologien. Darüber hinaus unterstützt der Verein zur Förderung der Technologiezentren im Salzkammergut im Bezirk Gmunden die Initiative und versteht das Handwerk als wichtigen Träger von Innovation und regionaler Entwicklung. 

Die Vergabe der Fördermittel erfolgt durch eine unabhängige Jury, in der Vertreter der Wirtschaftskammer Oberösterreich, der Kunstuniversität Linz sowie der Kooperationspartner eingebunden sind.

Gefördert werden unterschiedliche Projektformate in drei aufeinander aufbauenden Stufen von der Innovationsberatung über Designkonzepte und größere Entwicklungsprojekte bis hin zu Weiterbildung und Qualifizierung.

  • Einstieg und Ideenentwicklung: Niederschwellige Formate ermöglichen einen einfachen Zugang zur Zusammenarbeit mit der Kunstuniversität Linz. Im Fokus stehen Vernetzung, erste Projektideen und die strukturierte Bearbeitung konkreter Fragestellungen im Betrieb. Ziel ist, erste Lösungsansätze und Projektkonzepte zu entwickeln.
  • Konkrete Innovationsprojekte (Kern der Förderung): Hier entstehen greifbare Ergebnisse für die Betriebe in Form von Kleinprojekten (Entwicklung von Designkonzepten und Machbarkeitsstudien) und Leitprojekten (Umsetzung komplexerer Vorhaben, z.B. Prototypen, neue Produkte, Verfahren oder Anwendungen). Ziel ist hier, konkrete Innovationen mit direktem Nutzen für den Betriebe zu finden.
  • Qualifizierung und Weiterentwicklung: ergänzend werden Weiterbildungsmaßnahmen gefördert, die Betriebe beim Aufbau neuer Kompetenzen unterstützen – etwa in Design, Digitalisierung oder interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Je nach Projektformat und Laufzeit, die von einem 1-Tages-Workshop bis zum zwölfmonatigen Leitprojekt reichen kann, werden die Vorhaben mit 4.000 bis 28.000 Euro gefördert. Förderwerber müssen Konsortien aus mindestens einem kleinen und mittleren Unternehmen mit handwerklichem Schwerpunkt und einem Institut oder einer Abteilung der Kunstuniversität Linz sein.

Einreichung ab 1. Juni möglich
Ab 1. Juni sind Betriebe eingeladen, ihre Projektideen einzureichen.
Die Einreichung erfolgt einfach und unkompliziert über die Website https://www.wko.at/ooe/designhandwerk-
technologie

Design und Technologie werten Handwerk auf
Wolfgang Sparber, Geschäftsführer Lidauer Tischlerei GmbH

Wie aus der Kooperation mit Bildungseinrichtungen wie Universitäten und Fachhochschulen innovative Lösungen für Handwerksbetriebe entstehen, zeigt die Tischlerei Lidauer aus Scharnstein, Bezirk Gmunden.

Das Unternehmen wurde vom Schwiegervater von Wolfgang Sparber, Ernst Sparber, im Jahr 1965 gegründet. Wolfgang übernahm den Betrieb mit seiner Gattin Carmen im Jahr 2000. Heute beschäftigt der Betrieb 42 Mitarbeiter und eröffnet im Juni seinen neu gebauten Betrieb, für den rund 9 Millionen Euro investiert wurden.

„Als ausgebildeter Keramiker habe ich eine Affinität zu Kunst und Design. Deshalb haben wir bereits mit mehreren Universitäten und Fachhochschulen in Oberösterreich, aber auch in Deutschland zusammengearbeitet“, erklärt Wolfgang Sparber.

Roboter in der Produktion
Mit der Fachhochschule Steyr wurde ein Roboter entwickelt, der mit einer speziellen Dichtmasse Teakholzdecks für Luxusboote und hochwertige Einrichtung herstellt. In millimetergenauer Präzisionsarbeit werden die Fugen vom Roboter mit einer Dichtmasse ausgefüllt – eine eintönige Arbeit, die bis dahin viele Stunden manuelle Arbeit erforderte.

Für die europäische Kulturhauptstadt Bad Ischl und Salzkammergut 2024 wurden mit der Uni Kassel zwei Holz-Pavillons für einen Rundweg konstruiert und gefertigt.

Aktuell arbeitet die Tischlerei Lidauer mit der Kunstuniversität Linz an einem dreidimensionalen Wandvertäfelungssystem, das mithilfe eines Online- Produktkonfigurators in Echtzeit auf online angepasst werden. Der Vorteil: Auftraggeber bekommen in Echtzeit eine maßgeschneiderte Designlösung und haben damit eine Entscheidungsgrundlage, ohne dass schon eigene Entwicklungskosten entstanden wären - gleichzeitig besteht Planungssicherheit hinsichtlich Zeit und Kosten.

© Mark Sengstbratl

© Mark Sengstbratl