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Co.Lab Akustische Ökologie der Kunstuni Linz lässt eine Woche lang von sich hören

Pressemitteilung vom 28. Mai 2026

Die Themenwoche Akustische Ökologie, die heuer zum vierten Mal stattfindet, ist eine jährliche, öffentlich zugängliche Veranstaltungsreihe an der Kunstuniversität Linz, um die Anliegen dieser Disziplin zu vermitteln.

Die Akustische Ökologie geht auf den kanadischen Klangforscher R. Murray Schafer zurück. Sie trägt mit einem ganzheitlichen (systemischen) Zugang der zunehmenden Bedeutung akustischer Fragestellungen in der Gesellschaft Rechnung (Stichwort: Acoustic Turn). Und sie begreift Schall als Ressource, als Grundstoff menschlichen In-Beziehung-Tretens. Reden, Hören, Gleichgewicht, Orientierung, Warnung vor Gefahr sind menschliche Grundbedürfnisse. Die akustische Umwelt („Soundscape“) ist auch Raum der Politik, der Ordnung und der Machtverhältnisse (und damit u. a. auch identitätsstiftend). Soundscapes machen auf vielfache Weise etwas mit uns, daher ist unsere akustische Umwelt ein Feld der Ökologie wie andere Bereiche menschlicher Umweltbeziehung auch.

Das Co.Lab Akustische Ökologie vermittelt ein neues, erweitertes Raumverständnis und soll zu einer neuen Analyse- und Gestaltungskompetenz im pädagogischen, medialen und künstlerischen Bereich befähigen, an deren Anfang das Hören (griechisch ἀĸoύꞓiv/akoyein „hören“) als kreativer Akt (und nicht die Erzeugung von Klang) steht. Die akustische Umwelt gehört gestaltet. Immer wieder dienen Ohren als Symbole für die Anliegen der Akustischen Ökologie

Themenwoche Akustische Ökologie 2026
Von Dienstag, 9. Juni bis Mittwoch, 15. Juni 2026, täglich von 17.00 bis 18.00 Uhr

Das Programm im Detail:
Tag 1, Dienstag, 9. Juni: Bewusstseinsstrom – Stream of Consciousness
Installation mit Matilde Baldassari u. a.
Wo: Kunstuniversität, Zeitbasiertes Wohnzimmer, Domgasse 1, 4. Stock, Raum DO0458 (Abteilung Zeitbasierte Medien)
Die Ökologie interessieren die Beziehungen zwischen den Lebewesen selbst und ihren Umgebungen. Die Akustische Ökologie auch, aber sie hört in diese Verhältnisse vor allem genau hinein. Ihr Interesse liegt im Inter-Esse, in dem, was dazwischen existiert, zwischen den Klängen, Geräuschen und Tönen. Mit diesem Zugang entstand im Vorjahr eine Performance, die Raymond Queneaus „Exercices de style“ asynchron vortrugen. Matilde Baldassari gestaltete daraus eine Installation mit besonderem Fokus auf die Poesie als erste akustische Kunst.

Tag 2, Mittwoch, 10. Juni: ein wald ist mehr als drei bäume
Sonifikation / Performance mit Margarethe Maierhofer-Lischka
Wo: Kunstuniversität, Zeitbasiertes Wohnzimmer, Domgasse 1, 4. Stock, Raum DO0458 (Abteilung Zeitbasierte Medien)
Pflanzen und Pilze nehmen ihre Umwelt durch Temperatur, Licht und Schall wahr. Normalerweise passiert die Aktivität von Pflanzen und Pilzen außerhalb unserer Wahrnehmung. Maierhofer-Lischka sonifiziert die Aktivitäten von Pflanzen und Pilzen – ein Interface überträgt die bioelektrische Aktivität der Zellen in Klang. In der Performance beeinflussen live gespielte Instrumentalklänge die Aktivitäten der Pflanze, während der Klang der Sonifikation wiederum die musikalische Aktion verändert. Ein Feedbackprozess zwischen Mensch und Natur entsteht, vermittelt durch Klang.

Tag 3, Donnerstag, 11. Juni: Hyperakusis
Die Stadt von oben hören mit Didi Bruckmayr
Wo: Mariendom, Nordportal, Baumbachstraße, 4020 Linz
Anmeldung wg. begrenzter Teilnehmer*innenzahl bitte bei Dietmar.BRUCKMAYR@kunstuni-linz.at
Die Turmbesteigung führt über 633 Stufen an den Glocken vorbei auf die höchste Aussichtsmöglichkeit einer Kirche in Österreich – in einer Höhe von 68 Metern hören und sehen wir die Stadt in 360 Grad. Anschließend verlieren wir uns im 11 Sekunden langen Hall der Kirchenschiffe. Eine Meditation in Gehen, Verweilen und Hören.

Tag 4, Freitag, 12. Juni: Der Klang der Untoten
Hören und Diskussion mit der Zombie-Gruppe
Wo: Kunstuniversität, Zeitbasiertes Wohnzimmer, Domgasse 1, 4. Stock, Raum DO0458 (Abteilung Zeitbasierte Medien)
Die gleichnamige Lehrveranstaltung behandelte die Frage: Wie klingen Untote? Da denken alle gleich an die Zombie-Filme mit den Schock-Sounds. Aber Untote gibt es viel mehr: die Heiligen, die angeblich tot sind, aber trotzdem noch arbeiten müssen, die strange-fruits, die nicht sterben dürfen, die Qualle Turritopsis dohrnii, das Bärtierchen, der Axolotl oder der Süßwasserpolyp Hydra.

Tag 5, Samstag, 13. Juni: Schall ist Luft
Orgelkonzert mit Peter Androsch
Wo: Pfarrkirche St. Severin, Lederergasse 50, 4020 Linz
Klang, Ton und Musik sind nichts Anderes als Luft. Das lässt sich sehr gut am Beispiel der Orgel erleben. Luft wird durch Pfeifen gepumpt. Je mehr Pfeifen mit Luft gefüllt sind, desto lauter ist der Klang. Das liegt daran, dass sich die Luft stärker bewegt und den Klang durch den gesamten Raum trägt. Luft = Klang. Und wenn Luft Klang ist, dann ist Klang ein wesentlicher Bestandteil der Ökologie. Auf diese Weise wird sogar die Musik zu einer Disziplin der Ökologie.

Tag 6, Sonntag, 14. Juni: Hyperakusis
Die Stadt von oben hören mit Didi Bruckmayr
Wo: Mariendom, Nordportal, Baumbachstraße, 4020 Linz
Anmeldung wegen begrenzter Teilnehmer*innenzahl bitte bei Dietmar.BRUCKMAYR@kunstuni-linz.at
Die Turmbesteigung führt über 633 Stufen an den Glocken vorbei auf die höchste Aussichtsmöglichkeit einer Kirche in Österreich – in einer Höhe von 68 Metern hören und sehen wir die Stadt in 360 Grad. Anschließend verlieren wir uns im 11 Sekunden langen Hall der Kirchenschiffe. Eine Meditation in Gehen, Verweilen und Hören.

Tag 7, Montag, 15. Juni: Den Bäumen beim Wachsen zuhören
Impulsvortrag mit Diskussion mit Thomas Felfer
Wo: Kunstuniversität, Expostmusik, Domgasse 1, 4. Stock
Dendrochronologie bezeichnet eine Methode zur Altersbestimmung von Holz anhand der Jahresringe von Bäumen. Breite und Struktur der Ringe erlauben zudem Rückschlüsse auf klimatische und ökologische Bedingungen vergangener Zeiten. In einem gemeinsamen Austausch soll erörtert werden, wie sich dendrochronologische Messreihen in Klang übersetzen lassen und so einen auditiven Zugang zu landschaftlichen und klimatischen Transformationsprozessen eröffnen können.

© Stefan Effenhauser