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TALK

TAKE CARE! Sorge tragen im Kunstsystem #9

19. März 2026, 11.00 Uhr Kunstuniversität Linz, Domgasse 1, Expostmusik, 4020 Linz

Die Abteilung Kunstgeschichte und Kunsttheorie lädt ein zum Vortrag von Tomislav Medak.

Trotz des allgemeinen Bewusstseins für die komplexe Verflechtung der Kunst mit Macht- und Subjektpositionen, bleiben bestimmte Aspekte im Betriebssystem unerforscht. Hinter bekannten Protagonist*innen, Werken und Institutionen verbergen sich zahlreiche Handlungen und Prozesse, die infrastrukturell unverzichtbar sind, doch zugleich kaum Beachtung finden und unhinterfragt existieren.

Gleichzeitig gibt es Akteur*innen, die dies kritisch thematisieren. Sie schaffen Bewusstsein für die systemstiftenden Operationen des Zuhörens, Beziehungen Knüpfens, Koalierens, Organisierens, Unterstützens, Vermittelns, Schreibens, Bewahrens, Sammelns, Ordnens, Kalkulierens, Schreibens, Einladens… Insbesondere im Kontext machtpolitischer Umbrüche, sozialer Konflikte, institutioneller Transformationen, prekärer Räume sowie komplexer ökologischer und ökonomischer Realitäten hat ihre aktive Auseinandersetzung mit den gegebenen Infrastrukturen des Kunstbetriebs besondere Relevanz.

Tomislav Medak lebt und arbeitet in Zagreb. Er ist Philosoph, Aktivist und Kulturtheoretiker und bewegt sich seit den 1990er-Jahren an den Schnittstellen von Theorie, Technologie und politischer Praxis. Nach Studien der Philosophie und Linguistik engagierte er sich früh in unabhängigen kulturellen Initiativen und war Mitbegründer wie auch langjähriger Mitarbeiter verschiedener Plattformen für kritische Theorie und digitale Kultur, darunter das Multimedia-Institut MaMa in Zagreb.

In seiner Arbeit verbindet Medak philosophische Reflexion mit konkreten Formen des Gemeinschaffens: Er forscht und publiziert zu Fragen des Gemeinguts, der ökologischen Transformation, der politischen Ökonomie digitaler Infrastrukturen sowie zu Praktiken kollektiver Organisation. Als Mitglied der internationalen Forschungsplattform DisCOOP und der transnationalen Initiative Pirate Care untersucht er neue Modelle solidarischer Sorgearbeit und kooperativer Wissensproduktion im Spannungsfeld von Aktivismus und Institution. Seine theoretische Arbeit erscheint regelmäßig in internationalen Zeitschriften wie e-flux journal und anderen Publikationsforen kritischer Theorie.

Das Format TAKE CARE! versammelt Expert*innen, die das System handelnd hinterfragen und einen Dialog eröffnen, der sich mit dem Konzept und der Praxis des „curare“ (lateinisch für „kümmern“) beschäftigt; also mit der Verpflichtung gegenüber Menschen, Objekten und Orten und der Verantwortung für einen respektvollen Umgang mit der Welt, die sie umgibt. Dabei sollen insbesondere Personen zu Wort kommen, die in ihrer Praxis Fragen von Partizipation, Ein- und Ausschlüssen sowie transkulturellen Bedingtheiten adressieren. Im Kontext der kuratorischen Praxis bedeutet dies, sich keineswegs bloß um die Auswahl und Präsentation der Kunst, sondern um Kunstwerke, Künstler*innen und Betrachter*innen gleichermaßen zu kümmern, sich für sie einzusetzen. Durch ihre Fürsorge schaffen sie Verbindungen, fördern Reflexion und Dialog und etablieren eine Atmosphäre des Respekts.

TAKE CARE! lädt diejenigen, die in verschiedensten Arten und Weisen an der Konstruktion von Infrastrukturen beteiligt sind und sich mit sozio-politischen Bedingungen und Widerständigkeiten auseinandersetzen, ein, an einem Tisch Platz zu nehmen und ihre Erfahrungen zu teilen.

Poster.pdf