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Plastische Konzeptionen / Keramik beim FMR Festival 2026 am Schlossberg Linz

Im Rahmen des LINZ FMR Festivals 2026 realisierten Studierende der Abteilung Plastische Konzeptionen / Keramik gemeinsam mit Sarah Decristoforo ortsspezifische Arbeiten am Linzer Schlossberg. Im Kontext der Festivalthemen – Digital Afterlife, Future Archaeology and Digital Artefacts, AI Societies, Power Structures and Resistance, Digital Declaration sowie Isolation and the New Idyll – schreiben sich die Arbeiten als offene Fragen in den Ort ein.

Caroline Lerbros By continuing, you agree to terms and conditions setzt einen präzisen Eingriff in die bestehende Struktur einer Aussichtsplattform. Ein temporäres blaues Netz zeichnet die Geometrie der Pattform nach und verändert subtil die Logik der Bewegung. Wege bleiben passierbar, aber ihre Selbstverständlichkeit wird unterbrochen: Orientierung erscheint nicht mehr als neutrales Navigieren, sondern als ein fortlaufendes Aushandeln zwischen Sichtbarkeit, Kontrolle und potenzieller Lenkung. 

Die Irritation fester räumlicher Strukturen setzt sich in Sonnhild Essls Signal Drifting als offener Prozess fort. Rosa pigmentiertes Kreidepulver wird mittels Schablonen auf den Boden aufgebracht und bildet runde Flächen, die bewusst auf ihre eigene Auflösung hin angelegt sind. Wind, Wetter und Bewegung der Besucher*innen werden zu aktiven Parametern eines offenen Systems. Statt eines fixierten Mappings entsteht eine temporäre Kartografie, die sich kontinuierlich überschreibt und gerade darin ihre Lesbarkeit behauptet.

Mani Ramhormozihoseinizadehs Elsewhere verschiebt den Fokus auf die Verschränkung von Stadtraum und Wahrnehmung. Auf Augenhöhe an der Brüstung einer Turmplattform installiert, legt sich ein formgeschnittenes, transparentes Plexiglas wie eine zusätzliche Bildebene über den Ausblick auf die Stadt. Zwischen Rauchwolke, organischem Wachstum und abstraktem Ereignis changierend entzieht sich die Form einer eindeutigen Lesbarkeit. Sie hält vielmehr einen Zustand der Gleichzeitigkeit fest, in dem mediale Bildwelten, globale Krisennarrative und lokale Wahrnehmung nicht mehr getrennt auftreten, sondern als überlagerte Gegenwart erfahrbar werden.

In räumliche und soziale Strukturen greift auch Ivy Deacons Soft Cruising ein, indem der Schlossberg als Raum situativer, körperlich geprägter Praktiken lesbar wird. Metallene Kreise, die am Gelände verteilt werden, tragen Gravuren, Textfragmente und Zeichnungen, die sich als situative Marker queerer Raumaneignung verstehen lassen. Cruising wird hier nicht repräsentiert, sondern räumlich aktiviert – als Praxis, die Öffentlichkeit nicht nur nutzt, sondern ihre Ordnungen unterläuft, verschiebt und ihnen eine stille Form des Widerstands einschreibt.

Yao Wangs Picnic Vista™ verschiebt diese Dynamik in eine bewusst überästhetisierte Gegenwart zwischen Alltag und Interface. Funktional nutzbare Picknickdecken, durchzogen von der Bildsprache des Frutiger Aero und fragmentarischen Texten aus einer kontinuierlichen textbasierten Praxis des Künstlers, machen Nutzung selbst zum konstitutiven Moment der Arbeit. Der Schlossberg erscheint hier als Szenario, in dem sich Freizeit, digitale Ästhetik und narrative Überlagerung nicht trennen lassen, sondern ineinander kippen.

Eine andere Form spekulativer Materialität zeigt Magdalena Bergers untitled (silicon wally). Gebrauchte digitale Speichermedien – USB-Sticks, SD- und Micro-SD-Karten – werden in Harz gegossen und in die historische Schlossmauer integriert. Die Arbeit verschiebt digitale Datenträger in einen archäologisch lesbaren Materialzusammenhang und erzeugt eine eigentümliche Zeitfalte: Technologien der Gegenwart erscheinen bereits als zukünftige Relikte.

In eine atmosphärisch und medial anders gelagerte Richtung arbeitet Louisa Roubiks Average-Sized Rabbit Hole. Unter einem Baum spannt sich eine halbtransparente, schlauchartige Struktur, die als temporäres Interface im Gelände fungiert. Projektionen aus GIFs, Bildern und Textfragmenten bilden eine bewegliche Collage, die sich durch Performances immer wieder aktualisiert. Zwischen Installation, Feed und situativem Raum entsteht ein Ort, an dem digitale Bildzirkulation körperlich wird und sich in eine fragile Gegenwart übersetzt.

Zwischen Zukunftsfossilien, flüchtigen Begegnungen, globalen Bildräumen und sich verändernden Spuren entfalten die Arbeiten unterschiedliche Perspektiven auf eine digital geprägte Gegenwart. An ihre jeweiligen räumlichen und materiellen Bedingungen gebunden, entstehen sie erst durch Bewegung, Nutzung und Wahrnehmung. Vielleicht liegt darin ihre gemeinsame Qualität: Sie bleiben beweglich – zwischen Material, Raum und den Menschen, die ihnen begegnen.

www.linzfmr.at/fmr26

Caroline Lerbro, Sonnhild Essl, Mani Ramhormozihoseinizadeh, Ivy Deacon, Yao Wang, Magdalena Berger, Louisa Roubik

Objekte, Installationen, 2026
Bildende Kunst / Plastische Konzeptionen/Keramik
 

© Louisa Roubik
© Louisa Roubik
© Caroline Lerbro
© Caroline Lerbro
© Mani Ramhormozihoseinizadeh
© Mani Ramhormozihoseinizadeh
© Yao Wang
© Yao Wang
© Sonnhild Essl
© Sonnhild Essl
© Ivy Deacon
© Ivy Deacon
© Magdalena Berger
© Magdalena Berger