zum Inhalt
VORTRAG

320 GB im Rucksack – der physische Aspekt digitaler Kunst über Gletscher

25. März 2026, 17.00 Uhr Kunstuni Linz, Hauptplatz 8, 4020 Linz (Lecture Hall F - H8.05.03)

Die Professur für Wissensgeschichte und das ERC-Projekt OLFAC laden zur Vorlesung mit Tina Frank (Visual Communication, University of Arts Linz) & und Alexis Dworsky (Media Design, University of Arts Linz).

Wie lässt sich ein verschwindender Gletscher digital archivieren und virtuell erfahrbar machen? In unserem vom FWF geförderten künstlerischen Forschungsprojekt „Beyond Glaciation“ erheben wir Daten im Hochgebirge, schleppen die Drohne, das Hydrophon sowie allerlei sperriges High-Tech-Equipment auf 3.000 Meter Höhe, frieren in den Fingern und laufen uns Blasen. „Medienkunst" entsteht hier nicht nur am Computer, sondern insbesondere in der körperlichen Auseinandersetzung mit Topographie, Wetter und Material. Der Gletscher wird dabei als Holobiont verstanden, als lebendiges Archiv globaler Umweltveränderungen, das weit mehr speichert als nur gefrorenes Wasser. Der Vortrag fragt nach den Übersetzungsprozessen zwischen analogen und digitalen, zwischen körperlichen und abstrakten Sinneserfahrungen – und danach, welche sensorischen Hierarchien wir verschieben müssen, um das Multisensorische des Gletschers für eine post-glaziale Zukunft zu bewahren. Wir zeigen, wie die physische Anstrengung des Bergsteigens, das Plündern von Containern nach Gletscherflies und der Bau sperriger Ausstellungsarchitekturen Teil des vermeintlich körperlos-digitalen medienkünstlerischen Prozesses werden.

Alexis Dworsky ist Künstler, Forscher und Professor für Mediales Gestalten an der Kunstuniversität Linz. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste München und hat seine Doktorarbeit über die Kulturgeschichte des Dinosauriers geschrieben. In seinen Arbeiten verschränkt Dworsky den physischen Raum mit dem digitalen. So fährt er mit Google Street View um die Welt und hält darüber kritisch-performative Reisevorträge, nutz generative Künstliche Intelligenz, um auch dann noch Skateboardtricks machen zu können, wenn die Knie nicht mehr mitspielen und digitalisiert verschwindende Gletscher mittels Photogrammetrie, so dass man sie virtuell erfahren kann, selbst wenn es sie bald schon nicht mehr so gibt.

Tina Frank ist eine international tätige Designerin, Künstlerin und Professorin für Visuelle Kommunikation an der Kunstuniversität Linz. Ihre Arbeit spannt eine Brücke zwischen Datenvisualisierung, Musikvisualisierung an der Schnittstelle von Informationsdesign und Bildender Kunst. Ihre Forschung konzentriert sich darauf, komplexe Informationen – von Text und Musik bis hin zu wissenschaftlichen Daten – in visuelle Erlebnisse zu übersetzen. In ihrer Praxis erforscht sie die performativen Eigenschaften von Bildern und wie diese Wissen auf innovative Weise vermitteln. Tina Frank macht Gletscherdaten audiovisuell erfahrbar und verleiht der Rekonstruktion eine zeitliche sowie sinnlich erfahrbare Dimension.

 

Alle Termine der Vortragsreihe “The Senses in Performance”: 

11. März 2026
Introduction by OLFAC – Silke Felber, Freda Fiala and Julia Ostwald

25. März 2026
320 GB im Rucksack – der physische Aspekt digitaler Kunst über Gletscher
Tina Frank (Visual Communication, University of Arts Linz) &
Alexis Dworsky (Media Design, University of Arts Linz)

15. April 2026
Dis_sensual – A crip choreographer’s re-distribution of the sensible
Michael Turinsky (Artist, Vienna)

22. April 2026
Performing Snakes in Modernity and Today
Nicole Haitzinger (Dance Studies, University of Salzburg) &
Christina Gillinger (Tanzquartier Vienna TQW)

29. April 2026 
Lingering with Bass (2024, Steve McQueen)
Ulrike Hanstein (VALIE EXPORT Center, University of Arts Linz)

6. Mai 2026
Sinn für Unlösbares
bankleer – Karin Kasböck & Christoph Maria Leitner

13. Mai 2026
Mimi o Sumasu – the Very Act of Listening
Mia Yoshida (Artistic Research and Head of the Zentrum Fokus Forschung, University of Applied Arts Vienna)

20. Mai 2026
Tasting skin. On chilis and chills
Karin Harrasser (Cultural Studies, University of Arts Linz and Director of
ifk – International Research Center for Cultural Studies)

27. Mai 2026
Olfactory Violence and the Freedom to Speak: Stink Bombs in Interwar Europe
William Tullett (Early Modern History, University of York)

3. Juni 2026
Sensing the Atmospheres of Painters’ Studios in Nineteenth-Century France
Erika Wicky (Olfactions, Université Grenoble Alpes)

10. Juni 2026
Hee-Hawing Democracy: Somatic Articulations Beyond the Logos - Inhalt folgt
Bettina Wuttig (University of Marburg)

17. Juni 2026
Greetings from the Swamp
Maria Nalbantova (Artist, Sofia)

24. Juni 2026
A loving ear – toward a poetic ecology of feeling
Brandon LaBelle (Independent Researcher, Berlin)