22. April 2026, 17.00 Uhr Kunstuni Linz, Hauptplatz 8, 4020 Linz (Lecture Hall F - H8.05.03)
Die Professur für Wissensgeschichte und das ERC-Projekt OLFAC laden zur Vorlesung von Nicole Haitzinger (Dance Studies, University of Salzburg) und Christina Gillinger (Tanzquartier Vienna TQW).
In dieser gemeinsamen Präsentation möchten wir beispielhafte Darstellungen von Schlangen in der Moderne vorstellen. Vor dem Hintergrund des dekolonialen Denkens werden wir ihre Relevanz für das Theater diskutieren, indem wir über die Dominanz entfernter Sinne wie Sehen und Hören hinausgehen, sowie ihre Relevanz für die zeitgenössische Kunst. In der Moderne (1900–1935) macht das Leitmotiv der darstellenden Schlangen das Sehen zu einer Erfahrung, als verkörpertes Sehen, und hat unserer These zufolge das Potenzial, die konventionalisierte Ordnung des Sehens im europäischen Bühnentanzkontext aufzuheben. Aus der Perspektive der Performance- und Bewegungsanalyse lassen sich drei Aspekte/Leitmotive der Verkörperung von Schlangen in der Moderne identifizieren: (1) Tänze mit Schlangen; (2) Tänze, in denen Tänzerinnen und Tänzer Schlangen verkörpern; und (3) Tänze, in denen Tänzerinnen und Tänzer Schlangenmythen/Schlangengöttinnen und Schlangenrituale aufführen. Mit Fokus auf die Schlangentänze von Nyota Inyoka und Leila Bederkhan werden wir abschließend drei Aspekte aufdecken – (1) „kosmisches Theater“, (2) „erotische Trans-/Trance-Performance“ und (3) schlangenbezogene und sinneserweiternde Bewegungstechniken –, die in zeitgenössischen Performances in Beziehung zueinander identifiziert werden können.
Nicole Haitzinger ist Tanz- und Theaterwissenschaftlerin und Professorin für Tanzwissenschaft an der Paris Lodron Universität Salzburg. Sie ist wissenschaftliche Leiterin des transdisziplinären und interuniversitären Doktoratsprogramms Cultures in Transition at Wissenschaft und Kunst (PLUS und Mozarteum, 2019–2028) und Co-Direktorin des Universitätskurses Curating in Performing Arts, der in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität Bochum und der Freien Universität Berlin angeboten wird. Zu ihren Veröffentlichungen gehören Resonances of the Tragic, Modernity as Plural, Staging Europe, BodyPolitics, Decoloniality in the Performing Arts und Curating Performative Arts. Als Kuratorin und Dramaturgin hat sie eine Vielzahl von Projekten realisiert, darunter Exótica mit Amanda Piña (2023) und To Bloom (2024), die an Orten wie dem KunstenfestivaldesArts, HAU, deSingel, Festival d’Automne und Ruhrtriennale präsentiert wurden. Sie lebt und arbeitet in Salzburg und Paris.
Christina Gillinger-Correa Vivar ist Tanz- und Theaterwissenschaftlerin und arbeitet seit 2002 im Tanzquartier Wien (TQW), wo sie derzeit für die Theorieabteilung, Publikationen und die Bibliothek verantwortlich ist. Sie unterrichtet am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft (Universität Wien), an der Universität für angewandte Kunst Wien und an der Akademie der bildenden Künste Wien. Nach einem Studium der Theaterwissenschaft und Philosophie, Tanz und Bildender Kunst in Wien, Paris und Salzburg realisierte sie eigene künstlerische Projekte und arbeitete mit Künstlern in verschiedenen Kontexten. Seit 2019 ist sie Mitarbeiterin des Forschungsprojekts Border—Dancing Across Times an der Paris Lodron Universität Salzburg.
Alle Termine der Vortragsreihe “The Senses in Performance”:
11. März 2026
Introduction by OLFAC – Silke Felber, Freda Fiala and Julia Ostwald
25. März 2026
320 GB im Rucksack – der physische Aspekt digitaler Kunst über Gletscher
Tina Frank (Visual Communication, University of Arts Linz) &
Alexis Dworsky (Media Design, University of Arts Linz)
15. April 2026
Dis_sensual – A crip choreographer’s re-distribution of the sensible
Michael Turinsky (Artist, Vienna)
22. April 2026
Performing Snakes in Modernity and Today
Nicole Haitzinger (Dance Studies, University of Salzburg) &
Christina Gillinger (Tanzquartier Vienna TQW)
29. April 2026
Lingering with Bass (2024, Steve McQueen)
Ulrike Hanstein (VALIE EXPORT Center, University of Arts Linz)
6. Mai 2026
Sinn für Unlösbares
bankleer – Karin Kasböck & Christoph Maria Leitner
13. Mai 2026
Mimi o Sumasu – the Very Act of Listening
Mia Yoshida (Artistic Research and Head of the Zentrum Fokus Forschung, University of Applied Arts Vienna)
20. Mai 2026
Tasting skin. On chilis and chills
Karin Harrasser (Cultural Studies, University of Arts Linz and Director of
ifk – International Research Center for Cultural Studies)
27. Mai 2026
Olfactory Violence and the Freedom to Speak: Stink Bombs in Interwar Europe
William Tullett (Early Modern History, University of York)
3. Juni 2026
Sensing the Atmospheres of Painters’ Studios in Nineteenth-Century France
Erika Wicky (Olfactions, Université Grenoble Alpes)
10. Juni 2026
Hee-Hawing Democracy: Somatic Articulations Beyond the Logos - Inhalt folgt
Bettina Wuttig (University of Marburg)
17. Juni 2026
Greetings from the Swamp
Maria Nalbantova (Artist, Sofia)
24. Juni 2026
A loving ear – toward a poetic ecology of feeling
Brandon LaBelle (Independent Researcher, Berlin)