Das forum Stipendium 2026 des Alumnivereins der Kunstuniversität Linz geht an Elisa Andessner
Wir gratulieren recht herzlich!
Heuer wird das Stipendium von der Energie AG Oberösterreich gegeben, einreichen konnten wie jedes Jahr Mitglieder des „forum“, die ein Studium an der Kunstuniversität Linz abgeschlossen haben. Im feierlichen Rahmen der Sponsion wurde das Stipendium an Elisa Andessner übergeben.
Jury
Andrea Bina, Kunsthistorikerin, Leitung Nordico, Stadtmuseum Linz,
Sergey Harutoonian, Kunsthistoriker mit Schwerpunkt Kunst des 20. und des 21. Jahrhunderts, Kurator für zeitgenössische Kunst am Belvedere und
Bettina Siegele, Künstlerische Leiterin und Geschäftsleiterin Künstler*innen Vereinigung Tirol - Kunstpavillon, Neue Galerie & Interessenvertretung
Jurybegründung Aus 50 durchwegs hochwertigen Einreichungen entscheidet sich die Jury für das Projektvorhaben FRAUEN*ZIMMERSCHIESSEN, Fortführung 2026–2028 von Elisa Andessner.
In der kulturhistorischen Bezugnahme auf historische Schießscheiben – insbesondere jene mit weiblichen Figuren – verdeutlicht die Künstlerin, wie ein gewaltsamer Blick auf Frauen in festlichen Ritualen normalisiert, ästhetisch verharmlost und damit gesellschaftlich verankert wurde: ein symbolisches rituelles Morden im Rahmen des Feierlichen. Historisch schossen überwiegend Männer; Frauen waren vom Akt ausgeschlossen – die weibliche Figur blieb Ziel, nicht Subjekt.
Andessner zeigt, dass geschlechtsspezifische Tötungen ein strukturelles Problem und jahrhundertealtes Kontinuum in unserer Gesellschaft bilden. In Ihrem Projekt rollt sie das virulente Thema der Femizide klug neu auf und verbindet präzise Recherche mit einer zeitgenössischen künstlerischen Sprache.
Die Jury zeichnet ein aktuelles, hochbrisantes Werk aus, das Andessner weiter bearbeiten möchte und würdigt zugleich den stringenten, konsequenten Weg der Künstlerin, die seit Jahren eine tiefgreifende feministische Praxis verfolgt.
Mag. art. Elisa Andessner (*1983) überzeugt zudem durch interdisziplinäre Arbeit und internationale Vernetzung.
Die Jury gratuliert herzlich.
Leonhard Schitter CEO der Energie AG Oberösterreich: „Als Energie AG ist es uns ein besonderes Anliegen, Kunsttalente zu fördern. Sie betrachten unsere Gesellschaft aus anderen Winkeln, regen zum Diskurs an und zeigen uns neue Perspektiven. Gerade in Zeiten des Wandels braucht es Räume, in denen innovative Ideen entstehen und
Rektorin Brigitte Hütter: „Als Kunstuniversität tragen wir Verantwortung – auch für unsere Alumni und ihre künstlerischen Karrieren. Das Stipendium stellt einen wichtigen Meilenstein dar und ist damit auch für unsere Alumna und Künstlerin Elisa Andessner von besonderer Bedeutung, da es die Qualität ihres forschenden und künstlerischen Schaffens würdigt und die Umsetzung dieses Projektvorhabens ermöglicht. Der Alumniverein forum – Kunstuniversität Linz pflegt dabei stets eine hervorragende Zusammenarbeit mit den Partnern, die das Stipendium bereitstellen. Unser besonderer Dank gilt heuer der Energie AG als Stipendiumsgeberin sowie ihrem CEO Leonhard Schitter.“
Andessner führt das Projekt FRAUENZIMMERSCHIESSEN fort.
Das künstlerische Rechercheprojekt zur in Österreich verankerten Schieß- und Jagdkultur im Kontext von Geschlechterbildern und geschlechterspezifischer Gewalt wurde bereits 2025 im splace der Kunstuni Linz präsentiert. Hier zeigte sie historische Schützenscheiben und Ansichtskarten mit von Patronen durchlöcherten Frauendarstellungen, die Liebeswerben symbolisch mit dem Schießen auf Frauen verknüpfen.
Für 2026–2028 wird das Projekt professionalisiert und fortgeführt: vertiefende Recherchen (auch in Regionalmuseen in Tschechien, Ungarn, Frankreich, Kroatien), neue Kooperationen sowie der Ausbau einer Sammlung historischer Schützenfestpostkarten werden die Basis einer installativen Werkgruppe.
In einem weiteren Forschungsstrang untersucht Andessner Sprache und Sexualität, etwa anhand von Bornemans „Sex im Volksmund“ und militärischer Metaphorik.
Eine Publikation wird das Projekt abschließen.
Mag. art. Elisa Andessner, * 1983, studierte u.a. experimentelle Gestaltung und Bildende Kunst an der Kunstuniversität Linz und ist seit 2006 als Künstlerin und Kuratorin tätig. Sie organisierte Performanceveranstaltungen und ‑festivals und realisiert bis heute zahlreiche Ausstellungen und internationale Austauschprojekte zwischen Künstler*innen und Kunstinitiativen.
https://www.elisaandessner.net/
Preisverleihung (v. l. n. r.): Florian Voggeneder, Vorstandsmitglied forum – Kunstuniversität Linz, Preisträgerin Elisa Andessner, Rektorin Brigitte Hütter Bildrechte: Mark Sengstbratl Architekturfotografie
Elisa Andessner: „Anfangsschießen 1903“, Innviertler Volkskundehaus, Ried, Innkreis, © Elisa Andessner
Ausschnitt aus der Kartensammlung, Foto: Mark Sengstbratl