Der Studiengang Fashion & Technology richtet sich an Designer*innen, die Zukunftspotentiale der Mode in den Bereichen Nachhaltigkeit, Inklusion und Diversität mitgestalten und erforschen wollen.
Arbeiten der Studierenden sind bei einer multimedialen Show am Dienstag 16. Juni im Otto Wagner Areal in Wien zu sehen. Zutritt nur mit Einladung!
Anouk Ava Oltmanns
Tauche ein in die Tiefen der Altkleidercontainer. Zwischen aussortierter Kleidung, die sich wie Sand am Meer häuft, angelt Anouk unübersehbar kitschig-sportliche Badeanzüge heraus. Im Strom der gefundenen Materialien entstehen wellenartige Drapierungen, blitzblaue Bomberjacken und florale Kleider. Inmitten der Unvorhersehbarkeit dieser Art des Materialsourcings fischt Anouk nach wiederkehrenden Formen. Es entstehen wiederholbare Silhouetten, die von den Schnitten der Badeanzüge ausgehen und an unerwarteten Stellen erneut auftauchen.
instagram.com/anouk.ava
Marc Dudek
Im Mittelpunkt von „I am Just a Boy“ steht das Bild eines Jungen am Strand. Marc Dudek untersucht, wie Kleidung und körperliche Präsenz sozial aufgeladen werden, oft bevor die Person sie selbst vollständig erfasst. Herrenmode-Archetypen treffen auf Adoleszenz und Strandkultur. Die Looks oszillieren zwischen Enthüllung und Verhüllung, überführen normative Codes in eine ambivalente Erzählung. Übergroße Silhouetten suggerieren einen Körper, der in Rollen und Kleidungsbilder hineinwächst. Gegensätzliche Kontexte verschmelzen zu Silhouetten, die Kleidungsnormen hinterfragen und eine androgyne Sensibilität zum Ausdruck bringen
instagram.com/marcdudek
David Schuch
„Handstraußregel“ bedeutet, nur das zu nehmen, was man braucht. Inspiriert von seiner Kindheit auf dem österreichischen Land entwirft David Schuch eine Vision für bewussteren Konsum und nachhaltigere Produktion. Seine Kollektion verwandelt lokale Ressourcen wie überschüssiges Obst und Wolle von nicht kommerziell gehaltenen Schafen in wertvolle Materialien. Handgefertigte Bio-Leder aus Marillen, Äpfeln und Kirschen, kombiniert mit Alginat und Wolle, ersetzen konventionelle Textilien. Zeitlose Silhouetten, inspiriert von der Garderobe seines Großvaters, verbinden traditionelles Handwerk mit innovativem, tragbarem Design.
instagram.com/dvdabend
Diego Stefan Schwertberger
¿Y tu de donde eres?
¿Und woher kommst du?
¿So, where are you from?
Diego Schwertbergers Abschlusskollektion ist eine Hommage an Österreich und Chile, die Herkunftsländer seiner Eltern. Zwischen zwei Kulturen aufgewachsen, thematisiert sie Identität, Zugehörigkeit und die Frage „¿Und woher kommst du?“. Kreisförmige Bewegungen aus Cueca und Wiener Walzer prägen Silhouette und Schnitt. Die chilenische Manta wird neu interpretiert und mit Einflüssen der Huaso-Tracht sowie europäischer Schneiderkunst verbunden. Traditionelle Materialien erscheinen in zeitgenössischer Form, etwa als Woll-Denim. Ein eigens gewebter Stoff vereint die Landschaften und Kulturen beider Länder.
instagram.com/diegoschwertberger
Carlotta Buchleitner
Carlotta Buchleitner beschäftigt sich in ihrer Abschlusskollektion mit dem Gefühl des Erinnerns. Vergangenes wird nur verschwommen greifbar, Bilder verlieren ihre Details, vermischen sich mit anderen Erinnerungen oder verblassen ganz. Durch Bildmanipulation visualisiert Carlotta dieses Gefühl, indem sie Bilder aus ihrer Kindheit miteinander verwebt, überlagert oder zerschneidet. Verschiedene Grau-, Lila- und Rosatöne bilden die Farbpalette, aufgebrochen wird diese durch ein helles Blau.
Unter klassische Materialien mischen sich auch Fell, Pailletten, Perlen, Porzellan und große, transparente Kugeln.
instagram.com/carlottalio
Artem Efimov
Das Aufwachsen in einem Land, das sich von einer Krise erholte, umgeben von Bildern einer helleren Welt, erzeugte ein ständiges Bedürfnis nach Flucht. Ausländische Medien, Zeichentrickfilme, Science- Fiction und Musik wurden zu Portalen in eine andere Realität. In diesem Projekt verbindet Artem Efimov persönliche Gegenstände aus seiner Kindheit, Familienkleidung und transformierte Vintage-Militärkleidung. Referenzen an die VHS-Sammlung seines Großvaters, die Hippie-Kleidung seiner Großmutter und populäre Medien verschmelzen zu einer imaginierten Welt. Verzerrte florale Formen, künstliche Farben und überdimensionierte Taschen spiegeln die Suche nach Stabilität wider.
instagram.com/artemefimovtsatsin
Marija Dujovic
YugoYouth untersucht Jugend als einen fragilen und emotionalen Zustand und richtet den Fokus auf Sanftheit und Verletzlichkeit. Inspiriert vom jugoslawischen Black-Wave-Kino und persönlichen Erinnerungen übersetzt die Kollektion filmische Fragmente in textile Prints und Jacquard. Jacken, Röcke und Kleider werden zu Trägern von Bild und Erinnerung. Das Rosenmotiv, entwickelt aus biomateriellen Texturen und digitalen Collagen, steht für Jugend, Zärtlichkeit und Vergänglichkeit. Baumwoll-Canvas, Neopren, Satin und Jacquard schaffen eine weiche, emotional aufgeladene Atmosphäre.
instagram.com/mara_du_
Mykhailo Pogorilyi
THE WALLS FAILED TO SILENCE ist inspiriert vom Leben unter repressiven Systemen, in denen der Staat nicht nur den Körper kontrollierte, sondern Emotionen, Glaube, Kunst und Begehren. Das ist keine Geschichte. Diese Systeme existieren heute. Jeder der fünf Looks basiert auf einer Zeile eines Gedichts über das Genommene: Farbe, Klang, Bewegung, Glaube, Identität. Eine reduzierte Palette aus Schwarz, Grau, Off-White, Creme und Rot sowie Stoffe, gewählt nach Gewicht und Widerstand, übersetzen Abwesenheit in Silhouette und Konstruktion. Fünf Momente der Auslöschung, ein Akt des Widerstands: die menschliche Gestalt, aufrecht.
instagram.com/reveurialism
Anastasiia Mekhtieva
"Unsettled“ ist ein Tagebuch der Diaspora des Globalen Ostens, kollektiv aus dem Unterbewusstsein heraus verfasst. Es ist ein Versuch, eine utopische Welt neu zu erschaffen und den Zugang zu meiner Kultur zu öffnen.
instagram.com/amexxtie
Anda Revertera
IN RESISTANCE versteht Mode als Gegenentwurf zur digitalen Reizüberflutung und zur Aufmerksamkeitsökonomie. Die Kollektion lädt dazu ein, Langsamkeit, Präsenz und sinnliche Erfahrung wieder zu entdecken. In aufwendiger Handarbeit werden aussortierte Materialien durch analoge, haptische Prozesse verwandelt: Stoffreste verdichten sich zu gefilzten Oberteilen, vergessener Satin erhält durch das Bürsten mit einem Metallkamm eine neue Ausdruckskraft. Sichtbar bleiben die Spuren von Zeit, Sorgfalt und handwerklicher Hingabe - das Machen selbst wird zum stillen Akt des Widerstands.
instagram.com/andareverie
Henriette Vahl
Inspiriert von der Struktur eines Kanons werden die Lebensgeschichten von Frauen betrachtet. Es sind geerbte Melodien, die sie schon früh anfangen zu singen. Was passiert, wenn sie stören oder die Melodie verdrehen? Es geht um die Wiederholungen und um das Potenzial diese Geschichten zu verschieben und zu rekonstruieren. Es stapeln sich Manschetten und Säume, es verlaufen Taschen ins Nichts und die Lesbarkeit von Silhouetten von typischen Kleidungsstücken wird gestört. Prägnant ist ein Obst Muster das sich als Strick, Jacquardgewebe und Digitalprints durch die Kollektion zieht und sich verändert.
instagram.com/henri.slette
Anna Edlinger
MACH PLATZ beschäftigt sich mit der Rückeroberung von Raum. Die Kollektion greift Orte wie Fitnessstudios, öffentliche Verkehrsmittel und das Zuhause auf. Dies sind Räume, die für viele FLINTA*-Personen oft von Unsicherheit, Anpassungsdruck und Ausschluss geprägt sind. Durch die Verbindung öffentlicher und privater Elemente hinterfragt Anna Edlinger Machtstrukturen und gesellschaftliche Normen. Der Vorhang dient als Symbol für die Grenze zwischen Sichtbarem und Verborgenem. Er verweist auf oft übersehene Realitäten, wie häusliche Gewalt, und fordert dazu auf Raum zurückzufordern.
instagram.com/annaedlinger
Mia Trotz
Kleidung begleitet uns durchs Leben und kann Erinnerungen speichern. Im globalen Modesystem, das ständig Neues produziert, wird eine emotionale Bindung zu einzelnen Stücken jedoch erschwert; Kleidung ohne lokale Bezüge wird zur anonymen Wegwerfware. Regionale Trachten des Alpenraums waren einst Arbeits- und Alltagskleidung und teilen durch Materialien wie Wolle oder Leder Qualitäten mit heutiger Outdoorbekleidung. Mia Trotz verbindet beide Welten: Aus alten Trachten und entsorgter Funktionskleidung entstehen neue Hybride, die Tradition, Handwerk und Alltag in überraschender Form zusammenführen.
instagram.com/mia_trotz
Gerald Brandstätter
Unkraut. Unerwünscht. Unkontrollierbar – invasive Neophyten. Der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica, jap. Itadori) wurde einst als Zierpflanze eingeführt. Heute bedroht er fragile Ökosysteme und wird getrackt, bekämpft, verbrannt. Das Projekt „ReBloom“ untersucht die Pflanze als lokale, bisher unbeachtete Ressource. In Zusammenarbeit mit österreichischen Naturschutzverbänden wird sie geerntet und zu leuchtenden Farben, Fasern und textilen Oberflächen transformiert – reich an dynamischen Mustern und flexibel steuerbaren Formen. Im Prozess des „ReBloom“ verwandelt sich das Unerwünschte in etwas Kostbares.
instagram.com/geraldgrenouille
Hannah Pekarz
„THE SHED“ ist ein Crossover aus Mode und Kosmetik – tragbare Hautpflege auf Basis von Braunalgenextrakt. Hannah Pekarz erforscht für ihre Masterkollektion das Potenzial von Algen, die durch ihre bioaktiven Eigenschaften die Haut pflegen. Entstanden sind Textilien mit neuen Pflegefunktionen: flexible, maskenartige Flächen für den Oberkörper, Schmuck mit Massageeffekt und feine Strickwaren aus Algenmaterialien. Die Stücke stehen in direktem Hautkontakt und wirken kühlend, pflegend oder massierend – Mode wird so zur Erweiterung der täglichen Hautpflege.
instagram.com/pekarzhannah
Stefan Decker
ZORN ist Protest gegen gen. KI, aus der Perspektive von Gen-Z. Indem er ausschließlich mit weggeworfenen T-Shirts aus einer Altkleidersortieranlage arbeitet, versetzt sich Stefan in die Rolle generativer KI, und kreiert einzigartige, jedoch nachahmbare Kleidungsstücke. Damit wird T-Shirts eine zweite Chance gegeben; neues Leben in Kleidungsstücke eingehaucht, die schon auf dem Weg in die Verbrennungsanlage waren. Die Kollektion spielt mit Form, Zustand und Geschichte jedes einzelnen T-Shirts, die in Formen verschmelzen, die bestehenden Kleidungsstücken ähneln, und enden manchmal in verschwommenem “AI-slop”.
instagram.com/57o091d
Peter Fellner
Die Kollektion namens „GLUMPERT“, abgeleitet vom österreichischen Ausdruck „Gelump“ steht für unerwünschte Dinge oder eine ungeliebte Gruppe von Menschen. Im Zentrum des Projekts stehen Referenzen wie fluide Identitäten, die Relevanz für Ökosysteme, als Symbol für Entschleunigung und einen sicheren Raum. Diese Referenzen verkörpert die Schnecke – ein queeres Vorbild. Inspiriert von der Spiralform des Schneckenhauses, wird der Goldene Winkel in ein selbstentwickeltes Zero-Waste-Draping-System übersetzt. Dies ermöglicht Schnitterweiterung in verschiedenen Größen. Alle 21 Outfits zusammen stehen für Einheit und Gemeinschaft.
instagram.com/peterfellner